Dieses Video wurde am 18.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Zehn Wochen ohne Regen, Temperaturen über 30 Grad und Böden voller tiefer Trockenrisse – der Sommer 2026 trifft die Landwirtschaft im Ruhrgebiet hart. Dirk Liedmann, Biobauer aus Witten, erwartet beim Klee als Futtermittel nur noch ein Drittel seiner üblichen Ernte. Sein Betrieb ist kein Einzelfall: Hitze und Dürre haben im gesamten Bundesgebiet für massive Ernteausfälle gesorgt – und für viele Bauern droht das laufende Jahr zum Verlustgeschäft zu werden.
Ernteausfall beim Klee: Nur ein Drittel der üblichen Menge
Auf Liedmanns Kleeacker in Witten klaffen deutlich sichtbare Lücken zwischen den Pflanzen. In normalen Jahren wäre das Feld so dicht bewachsen, dass es kaum zu durchqueren wäre – die Pflanzen hätten ihm bis zur Hüfte gereicht. Dieses Jahr dagegen ziehen sich die Kleepflanzen fast bis auf den Boden zurück.
Die Folge: Die Ernte ist mit herkömmlichen Maschinen kaum noch möglich. „Die Pflanzen sind so nah am Boden, da kommen wir mit dem Mähwerk gar nicht ran“, erklärt Liedmann. Der wirtschaftliche Schaden ist erheblich, denn als Biobauer kann er Verluste nicht einfach durch höheren Einsatz von Düngemitteln abfedern.
Trockenrisse im Boden – ein Zeichen extremer Dürre
Besonders eindrücklich ist der Zustand der Böden. Durch den wochenlangen Wassermangel schrumpft das Erdreich und bildet tiefe Trockenrisse, in die man die Hand bis zu 40 Zentimeter tief stecken kann. Was oberflächlich nach ein wenig Feuchtigkeit aussieht, entpuppt sich bereits zwei Zentimeter tiefer als trockene Staubschicht.
Auf einem weiteren Acker in Dortmund wollte Liedmann eigentlich schon vor zwei Wochen Gründüngung säen, musste aber wegen der extremen Trockenheit warten. Bei Temperaturen von 37 Grad und starkem Wind hätte das Aufwirbeln der Staubmassen jede Aussaat unmöglich gemacht. Erst leichte Regenfälle ermöglichten schließlich den Beginn der Bodenbearbeitung.
Sorgen um Kartoffeln und die Zukunft des Betriebs
Nicht nur beim Klee rechnet Liedmann mit schweren Verlusten. Besonders die Kartoffelernte bereitet ihm Sorgen. Da die Blätter der Pflanzen durch die Hitze bereits abgestorben sind, heizt sich der Boden auf bis zu 60 Grad auf – Temperaturen, bei denen Kartoffeln im Boden Schaden nehmen oder verderben.
- Kleeernte: nur rund ein Drittel der üblichen Menge
- Kartoffeln: stark gefährdet durch Bodentemperaturen bis 60 Grad
- Gründüngung: wochenlang nicht möglich wegen extremer Trockenheit
- Böden: Trockenrisse bis 40 Zentimeter Tiefe
Krasse Wetterereignisse wie diese Hitzewelle erschrecken den erfahrenen Landwirt nicht mehr – er habe sich daran gewöhnt. Doch die langfristige Perspektive macht ihm Angst: „Ich mache mir definitiv Sorgen.“ Sein Sohn absolviert derzeit die landwirtschaftliche Ausbildung und soll den Betrieb eines Tages weiterführen. Wenn Extremwetterereignisse häufiger werden und ganze Erntejahre ausfallen, ist die wirtschaftliche Grundlage des Familienbetriebs ernsthaft bedroht.
Regen kommt – für die Haupternte zu spät
Inzwischen hat es im Ruhrgebiet wieder etwas geregnet. Für einen Großteil der diesjährigen Ernte ist die Feuchtigkeit jedoch zu spät gekommen. Die Schäden an Futterpflanzen und Kartoffeln sind weitgehend nicht mehr reparierbar.
Der Fall Liedmann steht exemplarisch für eine wachsende Herausforderung der deutschen Landwirtschaft: Lange Dürreperioden und Hitzewellen, die früher als Ausnahmen galten, häufen sich. Für Betriebe, die ohne den Puffer chemischer Hilfsmittel wirtschaften, sind solche Sommer existenzbedrohend. Die Politik ist gefordert, Konzepte für eine klimaresistentere Landwirtschaft zu entwickeln – bevor weitere Erntejahre verloren gehen.
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