Dieses Video wurde am 18.08.2026 von ZDFheute Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Wochen der Trockenheit und extremer Hitze hinterlassen im Sommer 2026 deutliche Spuren in der deutschen Landwirtschaft. Der Deutsche Bauernverband schlägt Alarm: Ernteausfälle bedrohen in weiten Teilen Deutschlands die wirtschaftliche Existenz vieler Betriebe. Besonders der Süden, die Mitte und der Westen des Landes leiden unter akutem Wassermangel. Regional fallen die Schäden sehr unterschiedlich aus, doch der bundesweite Trend ist eindeutig negativ.
Winterweizen und Winterraps: Dramatische Einbußen
Zwei der wichtigsten deutschen Kulturpflanzen sind besonders hart getroffen. Beim Winterweizen ist der Ertrag bundesweit um 7 Prozent eingebrochen, beim Winterraps sogar um 20 Prozent. In Thüringen zeigt sich das Ausmaß der Krise besonders deutlich: Weizenkörner fallen zu klein aus oder sind beschädigt und landen auf dem Abfallhaufen – nicht einmal als Futterweizen tauglich.
Jakob T., Thüringens größter Kartoffelbauer, erntet in diesem Jahr nur etwa halb so viele Kartoffeln wie üblich. Viele Knollen sind schlicht zu klein für den Verkauf. Seine Prognose ist alarmierend: „In fünf Jahren wird es in Thüringen keine Speisekartoffel mehr geben, die nicht unter Beregnung steht.“
Landwirte passen sich dem Klimawandel an
Viele Betriebe reagieren auf die veränderten Bedingungen mit langfristigen Strategien. Landwirt Lars Fliege aus Thüringen setzt auf einen breit gefächerten Anbaumix verschiedener Fruchtarten mit gestaffelten Aussaat- und Reifezeiträumen, um das Risiko über das Jahr zu verteilen. Dennoch bleibt ein zentrales Problem ungelöst: Ohne Wasser geht es nicht.
Künftige Lösungsansätze umfassen unter anderem:
- Bessere Bodenschonung und Förderung der Wasserhaltefähigkeit
- Anbau klimaresistenter Sorten
- Wasserrückhalt durch Teiche und Talsperren in der Nähe der Felder
- Ausbau von Beregnungsanlagen für Kartoffeln und andere Kulturen
- Diversifizierung des Fruchtartenspektrums
Zusätzlich zur Trockenheit belasten Preisdruck im Handel und steigende Betriebskosten die Landwirte. Der Bauernverband fordert erneut günstigeren Agrardiesel, um die Versorgungssicherheit langfristig gewährleisten zu können.
Folgen für Verbraucher: Preise steigen, Versorgung bleibt stabil
Für Verbraucherinnen und Verbraucher zeichnet sich ein gemischtes Bild ab. Eine Knappheit bei Grundnahrungsmitteln wie Brot ist nicht zu erwarten: Was die Inlandsernte nicht deckt, wird über den Weltmarkt importiert. Spürbar wird die Dürre jedoch im Geldbeutel.
Salate und Möhren sind bereits im Preis gestiegen. Auch Freilandgemüse wie Blumenkohl und Kohlrabi dürften teurer werden. Selbst Gewächshauspflanzen wie Paprika und Gurken litten unter der extremen Hitze. Günstiger als im Vorjahr sind dagegen Äpfel und Kirschen, dank guter Ernten und großem Angebot aus dem Ausland. Insgesamt kommen Verbraucher aber glimpflicher davon als die betroffenen Landwirte – für viele Betriebe ist die Dürre existenzbedrohend.
Ausblick: Regen als Hoffnungsschimmer
Die Wetteraussichten bieten nach Wochen der Trockenheit zumindest kurzfristig etwas Erleichterung. Ein Tiefdruckkomplex über Nord- und Mitteleuropa bringt in den kommenden Tagen Schauer und Gewitter – Niederschlag, der von Landwirten sehnsüchtig erwartet wird. Die strukturellen Herausforderungen durch den Klimawandel lassen sich damit jedoch nicht lösen. Experten und Verbände sind sich einig: Die Landwirtschaft in Deutschland muss sich grundlegend neu aufstellen, um künftige Dürrejahre besser abfedern zu können. Politische Unterstützung – etwa durch angepasste Förderprogramme und Investitionen in Bewässerungsinfrastruktur – bleibt dabei unverzichtbar.
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