Dieses Video wurde am 18.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die anhaltende Trockenheit hinterlässt immer deutlichere Spuren bei den Lebensmittelpreisen. Ernteausfälle bei Obst, Gemüse und Getreide sowie knappe Futtermittel lassen die Preise in deutschen Supermärkten bereits messbar steigen – und Experten warnen, dass die stärksten Auswirkungen erst im Herbst zu spüren sein werden. Besonders betroffen sind wasserintensive Gemüsesorten, Rindfleisch und Milchprodukte. Gleichzeitig gibt es auch Gewinner der Hitze: mediterrane Gemüsesorten werden derzeit günstiger.
Fleisch- und Milchpreise: Erste Steigerungen, mehr folgen
Laut dem monatlichen Preismonitoring der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) ist Rindfleisch bereits um rund fünf Prozent teurer als im Vorjahr und zwei Prozent teurer als noch im Vormonat. Besonders Edelfleischsorten wie Steaks und Filets befinden sich auf Rekordpreisniveau.
Paradoxerweise wird Hackfleisch derzeit günstiger. Der Grund: In Süddeutschland bringen viele Landwirte ihre Milchkühe wegen trockener Weiden und teuren Futters vorzeitig zur Schlachtung. Das erhöht kurzfristig das Angebot an Rindfleisch in der Grundkategorie.
Ab Herbst dürfte sich die Lage jedoch grundlegend ändern. Knappe Futtermittel – allen voran Mais – verteuern die Tierhaltung erheblich, was sich dann flächendeckend auf Fleischpreise auswirken wird. Auch bei Milch und Butter ist die Situation derzeit noch vergleichsweise stabil, jedoch haben erste Molkereien ihre Auszahlungspreise für Bauern bereits erhöht. Diese Mehrkosten werden erfahrungsgemäß zeitversetzt an die Verbraucher weitergegeben.
Gemüsepreise: Paprika und Salat als Hauptbetroffene
Im Bereich Obst und Gemüse schlugen die Ernteausfälle im Juli bereits mit einem durchschnittlichen Preisanstieg von 4,5 Prozent zu Buche. Wasserintensive Sorten tragen die Hauptlast:
- Salat: 20 bis 50 Prozent teurer als im Vorjahr
- Gurken: Preisanstieg von bis zu 20 Prozent
- Paprika: Enorme Preissteigerungen – die AMI spricht von einem sich entwickelnden „kleinen Luxusgut“
- Kartoffeln: Geringere und kleinere Ernte erwartet, Preisanstieg wahrscheinlich
Einen kuriosen Nebeneffekt hat die schlechte Kartoffelernte: Tiefkühlpommes könnten im kommenden Jahr nicht nur teurer, sondern durch kleinere Knollen buchstäblich auch kürzer werden.
Tomaten und Zucchini: Sonnenhungrige Sorten profitieren
Nicht alle Lebensmittel verteuern sich. Wer gerne mediterran kocht, findet derzeit günstige Einkaufsbedingungen. Sonnenliebende Sorten wie Tomaten, Zucchini und Auberginen profitieren von der Hitze und sind in diesen Wochen spürbar günstiger geworden.
Für Verbraucher bedeutet das: Ein bewusster Griff zu diesen Alternativen kann helfen, die gestiegenen Ausgaben im Lebensmittelbereich zumindest teilweise auszugleichen. Wer saisonale und witterungsbedingt begünstigte Sorten bevorzugt, zahlt aktuell weniger als im Vorjahr.
Preisbeobachtung gefordert: Warnung vor ungerechtfertigten Aufschlägen
Unklar bleibt vorerst, wie stark die Preise im Gesamtbild steigen werden. Zu viele Faktoren – darunter die Preispolitik der Supermarktketten und internationale Marktentwicklungen – spielen eine Rolle, um seriöse Gesamtprognosen zu machen.
Die Verbraucherorganisation Foodwatch mahnt zu besonderer Aufmerksamkeit. Die Befürchtung: Wenn ohnehin mit Preiserhöhungen gerechnet wird, könnten einzelne Händler die Situation für zusätzliche, nicht gerechtfertigte Aufschläge nutzen. Foodwatch erneuert daher seine Forderung an die Bundesregierung, eine unabhängige Preisbeobachtungsstelle für Lebensmittel einzurichten, die bei ungerechtfertigten Preissteigerungen eingreifen kann.
Fest steht: Das volle Ausmaß der diesjährigen Trockenheit wird sich in den Supermarktregalen vor allem ab Herbst zeigen. Verbraucher sollten die Preisentwicklung aufmerksam verfolgen und flexibel bei der Auswahl saisonaler Alternativen bleiben.
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