Dieses Video wurde am 06.05.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Ein Jahr nach dem Start der schwarz-roten Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz zieht eine aktuelle INSA-Umfrage für BILD eine ernüchternde Zwischenbilanz. Die Sonntagsfrage zeigt deutliche Verschiebungen: Die AfD liegt mit 27,5 Prozent klar vor CDU/CSU mit 24 Prozent – ein Vorsprung, den die Union noch vor einem Jahr nicht hinnehmen musste. Die großen Verlierer sitzen vor allem in den Reihen der Regierungsparteien, während die Opposition profitiert.
Schwarz-Rot Bilanz: Union stagniert, AfD gewinnt
Beim Vergleich der Sonntagsfragen von Mai 2025 und Mai 2026 zeigt sich ein klares Bild. CDU/CSU hält sich weitgehend stabil, während die AfD spürbar zulegt. Vor einem Jahr lagen beide Lager noch nahezu gleichauf – heute hat die AfD die Nase deutlich vorne.
Als Hauptgrund gilt die verbreitete Enttäuschung über ausbleibende Reformen. Viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich vertröstet: Konzepte werden angekündigt, Umsetzungen auf später verschoben. Dieses Gefühl des Stillstands zahlt direkt auf das Konto der AfD ein.
Der größte Verlierer unter den Parteien ist die SPD, die von 16 auf 13,5 Prozent absackt. Analysten sehen dabei auch direkte Wechselwählerströme von der SPD zur AfD. Die Grünen legen leicht zu, die FDP zeigt kaum Veränderung.
Beliebtheitswerte: Merz auf Platz 19 – so unbeliebt wie kaum ein Kanzler zuvor
Noch deutlicher als die Parteiwerte sprechen die persönlichen Beliebtheitswerte. Spitzenreiter bleibt Boris Pistorius – trotz leichter Verluste unangefochten auf Platz 1. Am anderen Ende der Skala hat sich kaum etwas verändert: Jens Spahn hält sich auf einem der hinteren Plätze.
Besonders auffällig ist der Absturz des Kanzlers. Friedrich Merz startete bereits auf dem mäßigen Platz 13 – und ist nun auf Platz 19 abgerutscht, kurz vor Jens Spahn. Damit ist er nach Einschätzung von BILD-Chefreporter Hansjörg Feierwald unbeliebter als selbst Olaf Scholz in vergleichbaren Phasen seiner Amtszeit.
Weitere deutliche Verlierer im Beliebtheitsranking:
- Lars Klingbeil (SPD-Co-Vorsitzender): von Platz 3 auf Platz 11 abgestürzt
- Bärbel Bas (Bundestagspräsidentin): von Platz 7 auf Platz 14 gefallen
- Friedrich Merz (Bundeskanzler): von Platz 13 auf Platz 19 abgerutscht
Alice Weidel: Die große Gewinnerin des ersten Regierungsjahres
Die überraschendste Entwicklung zeigt sich bei Alice Weidel. Die AfD-Vorsitzende kletterte von Platz 18 auf Platz 7 und ist damit die größte Gewinnerin aller betrachteten Politikerinnen und Politiker. Auch ihr Co-Vorsitzender Tino Chrupalla verbesserte sich, wenngleich weniger stark.
Beobachter führen Weidels Aufstieg auf ihr konsistentes Auftreten und ihre starke Präsenz in sozialen Medien zurück. Sie gilt als das öffentliche Vorzeigegesicht der AfD – und profitiert direkt von der wachsenden Unzufriedenheit mit der Bundesregierung.
Bemerkenswert ist auch die Entwicklung von Sahra Wagenknecht: Obwohl sie sich weitgehend aus dem aktiven Politikbetrieb zurückgezogen hat, keine Talkshows mehr besucht und offiziell nur noch als politische Beraterin beim BSW fungiert, verbesserte sie sich von Platz 17 auf Platz 8. Ihr Name bleibt in der Bevölkerung beliebt – offenbar allein durch ihre Aktivitäten in sozialen Medien.
Ausblick: Reformen als einziger Ausweg für die Koalition
Das Fazit fällt für die Regierungsparteien düster aus. Solange bei den Deutschen nicht das Gefühl entsteht, dass die Koalition tatsächlich vorankommt und Reformen umsetzt, dürften die Umfragewerte für CDU/CSU und SPD unter Druck bleiben. Alle handelnden Akteure der Regierung haben im Vergleich zu Oppositionspolitikern verloren.
Interessant ist dabei auch die Entwicklung der Linken: Nach dem Abgang Wagenknechts galt die Partei als nahezu abgeschrieben – doch ohne ihre frühere Galionsfigur erholt sie sich überraschend. Abgeordnete wie Heidi Reichinnek, die soziale Medien professionell bespielen, tragen maßgeblich dazu bei. Das zeigt: Politische Kommunikation verlagert sich zunehmend ins Digitale – und wer dort präsent ist, kann auch ohne klassische Medienbühne punkten.
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