Dürre 2026: Ernteeinbußen treffen Landwirte hart

Dieses Video wurde am 13.08.2026 von ZDFheute Nachrichten auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Die anhaltende Dürre trifft die Landwirtschaft in Deutschland im Sommer 2026 mit voller Wucht. Besonders in Baden-Württemberg und Bayern verbrennt das Getreide auf den Feldern, Ernteeinbußen von bis zu 20 Prozent werden bereits verzeichnet. Der Deutsche Raiffeisenverband beziffert die Verluste bei Getreide und Raps auf mindestens 600 Millionen Euro. Bauernhöfe geraten in existenzielle Not, und auch die Futtermittelversorgung für Tiere ist gefährdet. Laut dem Deutschen Bauernverband ist die Situation in weiten Teilen Süddeutschlands „toxisch“.

Wochen ohne Regen – Dürre auf Rekordniveau

Der sogenannte Dürre-Monitor zeigt ein eindeutiges Bild: Je südlicher, desto dramatischer die Lage. Während frühere Hitzeperioden maximal zehn bis dreizehn Tage dauerten, hält die aktuelle Hochtemperaturphase in manchen Regionen bereits seit sechs bis sieben Wochen an – ohne Aussicht auf Besserung.

Auf dem Hof von Harald Brunnhüpner im Frankenland nahe Feuchtwangen ist die Situation exemplarisch: Temperaturen fast durchgehend über 30 Grad, ausgedörrte Felder, kein verwertbares Futter. Hitzestress senkt zudem die Milchleistung der Kühe, was Brunnhüpner monatliche Einbußen von fünf bis sechs Tausend Euro beschert. In der Konsequenz droht sogar ein Abbau des Rinderbestands.

Landwirte unter Doppeldruck: Niedrige Preise, hohe Kosten

Joachim Ruck, Präsident des Deutschen Bauernverbands, beschreibt die wirtschaftliche Lage der Betriebe als äußerst angespannt. Auf der einen Seite stehen unterdurchschnittliche Ernten und niedrige Erzeugerpreise – der Weizenpreis liegt heute kaum über dem Niveau der 1980er Jahre. Auf der anderen Seite belasten hohe Energiekosten, gestiegene Dieselpreise und teure Düngemittel die Betriebe massiv.

  • Ernteeinbußen bei Getreide und Raps: mindestens 600 Millionen Euro Verlust
  • Milchleistung sinkt durch Hitzestress um mehrere Tausend Euro pro Betrieb und Monat
  • Düngemittel: steigende Preise und drohende Versorgungsknappheit
  • Dieselsteuer: Bauernverband fordert Steuerreduktion bis mindestens Ende November
  • Liquiditätsprobleme erschweren Vorfinanzierung der Herbstaussaat

Ruck schließt nicht aus, dass die Erzeugungsmenge in Deutschland zurückgeht – was mittel- bis langfristig auch die Lebensmittelversorgung beeinflussen könnte.

Wissenschaft und Politik: Anpassung als Langzeitaufgabe

Wissenschaftler fordern seit Jahren ein strukturelles Umdenken in der Landwirtschaft. Im Mittelpunkt stehen die Züchtung trockenresistenter und hitzebeständiger Getreidesorten sowie die Anpassung der Fruchtfolge. Leguminosen – Eiweißpflanzen wie Soja, Erbsen, Bohnen und Lupinen – werden verstärkt eingesetzt, um Böden zu verbessern und die Abhängigkeit von einzelnen Kulturen zu reduzieren.

In besonders trockenen Regionen wie Brandenburg werden zudem Agroforstsysteme mit Baumstreifen erprobt, die das Mikroklima stabilisieren sollen. Experten betonen jedoch, dass diese Maßnahmen einer gezielten politischen Förderung bedürfen – sowohl in der Forschung als auch im Rahmen der europäischen Agrarpolitik.

Der Raiffeisenverband fordert vom Staat darüber hinaus, die Logistik bei Extremhitze sicherzustellen – etwa durch einen funktionierenden Schiffsverkehr, der enge Versorgungsmärkte aufrechterhalten kann.

Ausblick: Regen in Sicht – aber strukturelle Probleme bleiben

Meteorologen kündigen für das Wochenende einen Wetterumschwung an: Eine Kaltfront soll die Hitze ab Sonntag ablösen und dringend benötigten Regen bringen. Doch selbst ein Ende der aktuellen Hitzewelle löst die strukturellen Probleme der deutschen Landwirtschaft nicht. Sinkende Erzeugerpreise, steigende Produktionskosten und die Folgen des Klimawandels stellen die Branche vor langfristige Herausforderungen, die politisches Handeln auf europäischer wie nationaler Ebene erfordern. Viele Betriebe hoffen vorerst schlicht, die laufende Saison finanziell zu überstehen.

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