Dürre bedroht Ungarns Atomkraftwerk Paks

Dieses Video wurde am 15.08.2026 von DW News auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Extreme Hitze und anhaltende Dürre haben in Ungarn eine ernste Energiekrise ausgelöst. Das Atomkraftwerk Paks – das größte Einzelkraftwerk des Landes und Lieferant von rund einem Drittel des ungarischen Stroms – musste seine Leistung auf nur noch 25 Prozent der Nennkapazität reduzieren. Der Grund: Der Wasserstand der Donau, der einzigen Kühlwasserquelle des Kraftwerks, ist auf ein Rekordtief gefallen. Ungarn reagiert mit einer Kombination aus Sofortmaßnahmen und längerfristigen Eingriffen in das Flussbett – und steht damit stellvertretend für eine wachsende Herausforderung für Europas Energieinfrastruktur.

Warum Paks so stark von der Donau abhängt

Kernkraftwerke sind thermische Kraftwerke. Das bedeutet: Nur etwa ein Drittel der im Reaktor erzeugten Energie wird in Strom umgewandelt, die restlichen zwei Drittel müssen als Wärme an die Umgebung abgegeben werden. Für das Atomkraftwerk Paks sind dafür pro Betriebssekunde rund 100 Kubikmeter Kühlwasser aus der Donau erforderlich.

Derzeit liegt der Durchfluss der Donau am Kraftwerksstandort bei lediglich einem Drittel des jährlichen Mittelwerts. Dieser außergewöhnlich niedrige Durchfluss führt zu einem so geringen Wasserstand, dass die Kühlwasserpumpen keinen ausreichenden Zugang zum Flusswasser mehr haben. Ohne ausreichende Kühlung ist ein Volllastbetrieb der Reaktoren schlicht unmöglich.

Versunkene Lastkähne und neue Dämme: Die Gegenmaßnahmen

Als erste Sofortmaßnahme ließ die ungarische Regierung zwei mit Wasser gefüllte Lastkähne in der Donau versenken. Der entstehende Strömungswiderstand soll den Wasserpegel am Kraftwerk um einige Zentimeter anheben. Diese Lösung ist jedoch ausdrücklich als temporäre Maßnahme gedacht und soll allenfalls einige Tage bis maximal zwei Wochen überbrücken.

Die eigentliche Lösung ist der Bau einer Querströmungssperre im Flussbett. Diese erhöht den hydraulischen Widerstand über den gesamten Querschnitt der Donau und hebt so den Wasserstand am Kraftwerk dauerhaft auf das notwendige Niveau an. Das Projekt wird mehrere Wochen in Anspruch nehmen, soll aber langfristig den Zugang zum Kühlwasser sicherstellen.

Wichtig: Die Gesamtdurchflussmenge der Donau wird durch die Maßnahme nicht verändert. Anrainerstaaten wie Serbien, Rumänien und Bulgarien erhalten dieselbe Wassermenge wie bisher – lediglich der lokale Wasserspiegel bei Paks wird künstlich angehoben. Eine Koordination mit den Nachbarländern sei daher nicht zwingend erforderlich.

Rumänien als warnendes Beispiel

Ungarn ist nicht das einzige betroffene Land. Das benachbarte Rumänien musste seinen letzten noch in Betrieb befindlichen Kernreaktor aufgrund desselben Niedrigwasserproblems vollständig abschalten. Die Situation verdeutlicht, wie verwundbar die europäische Energieversorgung gegenüber klimabedingten Extremereignissen ist.

Betroffen sind nicht nur Kernkraftwerke, sondern alle thermischen Kraftwerke sowie Wasserkraftanlagen, die auf ausreichende Flussmengen angewiesen sind. Die Kombination aus Hitzewellen und Dürreperioden trifft damit gleich mehrere Säulen der europäischen Stromerzeugung gleichzeitig.

  • Kernkraftwerke benötigen große Mengen Flusswasser zur Wärmeabfuhr.
  • Wasserkraftwerke verlieren bei Niedrigwasser erheblich an Erzeugungskapazität.
  • Kohle- und Gaskraftwerke sind ebenfalls auf Flusswasser zur Kühlung angewiesen.
  • Transportengpässe auf Flüssen erschwerden zusätzlich die Brennstoffversorgung.
  • Auch die Landwirtschaft leidet unter dem Niedrigwasser.

Klimaanpassung als langfristige Aufgabe

Experten wie der Budapester Ingenieurwissenschaftler Attila Aszódi sehen in der Krise rund um das Atomkraftwerk Paks ein deutliches Signal des Klimawandels. Kurzfristige Eingriffe in den Fluss können Zeit kaufen, lösen das strukturelle Problem jedoch nicht. Als mittelfristige Maßnahme gilt der Einbau ergänzender Kühlsysteme, die einen Teil der Abwärme direkt an die Atmosphäre abgeben – ähnlich wie Kühltürme bei anderen Kraftwerkstypen. Dadurch ließe sich die Wärmelast auf die Donau deutlich senken.

Die Ereignisse in Ungarn und Rumänien sollten als Weckruf für Kraftwerksbetreiber in ganz Europa verstanden werden. Die Anpassung industrieller Infrastruktur an veränderte klimatische Bedingungen ist keine ferne Zukunftsaufgabe – sie ist bereits jetzt dringend notwendig.

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