Dieses Video wurde am 06.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
In russischen Kampfdrohnen, die auf ukrainische Städte abgefeuert werden, steckt deutsche Technik. Das zeigt die Auswertung von Drohnentrümmern durch den ukrainischen Militärgeheimdienst. Trotz umfassender Sanktionen gelangen Bauteile deutscher Hersteller offenbar weiterhin in russische Waffensysteme – vermittelt über Drittstaaten und undurchsichtige Handelsnetzwerke. Der Fall wirft ernste Fragen über die Wirksamkeit westlicher Exportkontrollen auf.
Drohnentrümmer aus Kyjiw führen zu deutschem Hersteller
Anfang Februar dieses Jahres schlugen bei schweren russischen Nachtangriffen auf Kyjiw erneut Kampfdrohnen ein. Ukrainische Polizisten bargen Trümmer einer abgeschossenen Drohne, die anschließend vom militärischen Geheimdienst der Ukraine analysiert wurden. Das Ergebnis war eindeutig: In den Überresten fanden sich Komponenten der deutschen Firma Infinium.
Besonders brisant: In der russischen Region Jelabuga sollen täglich bis zu 500 Stück dieser Drohnenart produziert werden. Die schiere Produktionsmenge verdeutlicht, wie systematisch und großflächig westliche Bauteile in die russische Rüstungsindustrie eingeflossen sein müssen – trotz der seit 2022 geltenden weitreichenden Exportverbote.
Kasachstan als Drehscheibe für Sanktionsumgehung
Viele sanktionierte Güter gelangen über Drittstaaten nach Russland. Besonders häufig führt die Route dabei durch Kasachstan. Recherchen zeigen, wie Lieferungen von Elektrotechnik in der kasachischen Hauptstadt Astana enden – bei Handelsunternehmen, die als Zwischenstationen fungieren.
Auf Konfrontation reagiert der Geschäftsführer eines solchen Unternehmens abweisend und bestreitet, sanktionierte deutsche Ware nach Russland weiterzuliefern. Doch eine Mitarbeiterin desselben Unternehmens erklärte unumwunden, wie russische Kunden ihre Rechnungen begleichen:
- Russische Banken haben alternative Zahlungswege gefunden, um westliche Sanktionen zu umgehen.
- Die Abwicklung dauert länger als früher, funktioniere aber zuverlässig.
- Entsprechende Netzwerke seien fest etabliert und werden aktiv genutzt.
An der kasachisch-russischen Grenze stauen sich derweil nach wie vor hunderte Lastwagen. Dass darunter auch Fahrzeuge mit sanktionierter Ware sind, gilt in der Region als offenes Geheimnis.
Reaktionen der deutschen Hersteller
Der betroffene deutsche Hersteller Infinium hat angekündigt, rechtliche Schritte gegen den verantwortlichen Händler einzuleiten. Das Unternehmen distanziert sich damit klar von der Verwendung seiner Produkte in russischen Waffensystemen.
Andere deutsche Firmen, deren Erzeugnisse ebenfalls in russischen Waffen auftauchen könnten, betonten gegenüber Medien, sich an alle geltenden Sanktionen zu halten. Gleichzeitig zeigten sich die Unternehmen betroffen darüber, dass ihre Produkte offenbar dennoch in russischen Waffensystemen eingesetzt werden. Dies verweist auf eine grundlegende Schwachstelle: Exportkontrollen enden an der Grenze des Erstabnehmers – was danach geschieht, entziehe sich oft der Kontrolle der Hersteller.
Strukturelles Problem der Exportkontrolle
Der Fall zeigt exemplarisch, wie Sanktionsregimes durch mehrstufige Handelsketten unterlaufen werden können. Sogenannte Güter mit doppeltem Verwendungszweck – also Produkte, die sowohl zivil als auch militärisch einsetzbar sind – sind besonders schwer zu kontrollieren. Elektrotechnik, Mikrochips und Steuerungskomponenten zählen zu den am häufigsten auf diesem Weg umgeleiteten Warengruppen.
Westliche Regierungen stehen unter Druck, die Lücken im Sanktionssystem zu schließen. Dazu wären engere Absprachen mit Transitländern wie Kasachstan nötig – was politisch heikel ist, da viele dieser Staaten enge Wirtschafts- und Sicherheitsbeziehungen zu Russland pflegen. Solange diese strukturellen Schwachstellen bestehen, dürfte deutsche Technik weiterhin ihren Weg in russische Waffensysteme finden.
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