Dieses Video wurde am 23.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
AfD-Parteivorsitzender Tino Chrupalla hat sich klar gegen eine Frauenquote in seiner Partei ausgesprochen. In einem Interview mit der Tagesschau räumte er ein, dass die AfD zu wenige Frauen in ihren Reihen und insbesondere in Führungspositionen habe – sieht darin jedoch kein strukturelles Parteienproblem, sondern appelliert an Frauen, sich eigeninitiativ einzubringen. Sein Kommentar zum Thema Feminismus fiel knapp und distanziert aus: Gleichbehandlung sei ein Grundsatz, über den man nicht groß diskutieren müsse.
Frauenquote wird es in der AfD nicht geben
Auf die Frage, warum so wenige Frauen in der AfD aktiv seien, lud Chrupalla Frauen ausdrücklich ein, der Partei beizutreten und sich für politische Ämter zu bewerben. Gleichzeitig machte er unmissverständlich klar: Eine verbindliche Frauenquote werde es in der AfD nicht geben.
Stattdessen setzt die Partei nach Chrupallas Aussagen auf das Prinzip der Leistung und Qualifikation. „Bei uns entscheidet immer noch die Qualität“, sagte er. Auf Nachfrage, ob das im Umkehrschluss bedeute, dass Frauen bislang nicht qualifiziert genug für Führungsposten gewesen seien, ruderte er zurück und betonte, es habe schlicht zu wenige Kandidatinnen gegeben.
Die Aussage verdeutlicht einen grundlegenden Konflikt: Einerseits bekennt sich Chrupalla zum Ziel, mehr Frauen in der Partei zu gewinnen, andererseits lehnt er strukturelle Maßnahmen ab, die dieses Ziel befördern könnten.
Chrupalla und der Feminismus: Distanz mit DDR-Verweis
Auf eine Zusatzfrage aus der YouTube-Community, was er von Feminismus halte, reagierte Chrupalla zunächst mit Gelächter, bevor er eine ausweichende Antwort gab. Er forderte zunächst eine genaue Definition des Begriffs und erklärte dann, dass Gleichbehandlung für ihn ein „absoluter Grundsatz“ sei.
Dabei verwies er auf seine Sozialisation in der DDR, wo Gleichbehandlung seiner Ansicht nach bereits gelebte Realität gewesen sei. Feministische Debatten, wie sie heute geführt werden, bezeichnete er als „teilweise neue Diskussionen“, die man nicht in den Vordergrund rücken müsse.
Diese Haltung steht exemplarisch für den AfD-Ansatz: Das Thema Geschlechtergleichstellung wird zwar nicht offen abgelehnt, aber als übertrieben oder medial aufgebauscht dargestellt.
Wenige Frauen in der AfD – die Faktenlage
Der Frauenanteil in der AfD ist im Vergleich zu anderen im Bundestag vertretenen Parteien tatsächlich gering. Folgende Punkte fassen die Situation zusammen:
- Die AfD hat einen der niedrigsten Frauenanteile unter den Bundestagsparteien.
- Führungspositionen sind in der Partei überwiegend von Männern besetzt.
- Eine verbindliche Quotenregelung, wie sie etwa SPD oder Grüne kennen, lehnt die AfD programmatisch ab.
- Chrupalla selbst räumt ein, dass der Frauenanteil zu niedrig ist – ohne strukturelle Gegenmaßnahmen zu benennen.
Qualität statt Quote – ein bekanntes Argument
Das Argument, Leistung und Qualifikation seien allein entscheidend, ist in der politischen Debatte um Frauenförderung nicht neu. Kritikerinnen und Kritiker dieses Standpunkts weisen darauf hin, dass strukturelle Benachteiligungen nicht allein durch individuelle Leistung überwunden werden können und dass Quoten gezielt solche Barrieren abbauen sollen.
Befürworter des Quotenansatzes argumentieren, dass ohne aktive Fördermaßnahmen der Status quo sich kaum verändert – was Chrupallas eigene Einschätzung des Frauenmangels in der AfD zumindest implizit bestätigt.
Ob Chrupallas Einladung an Frauen, der AfD beizutreten, tatsächlich Wirkung zeigt, bleibt abzuwarten. Der Widerspruch zwischen dem beklagten Mangel und der Ablehnung jeglicher Abhilfemaßnahmen dürfte in der parteiinternen wie öffentlichen Debatte weiter für Diskussionsstoff sorgen.
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