Dieses Video wurde am 21.08.2026 von FOCUS online auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Gleich zwei CDU-Politiker sorgten innerhalb einer einzigen Woche bei Markus Lanz für Schlagzeilen – und das aus den falschen Gründen. Dennis Ratke, Vorsitzender des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, und Karl Josef Laumann, langjähriger Gesundheitsminister Nordrhein-Westfalens, lieferten Aussagen, die als Arroganz gegenüber den Wählern interpretiert werden und der AfD politisch in die Karten spielen. Für FOCUS-Online-Chefkorrespondent Ulrich Reitz ist die Bilanz eindeutig: eine desaströse Woche für die Union – zweieinhalb Wochen vor der nächsten Wahl.
Ratkes Aussage zu Wattenscheid: Ein „Elfmeter ohne Torwart“
Der Auslöser war eine Bemerkung von Dennis Ratke in der Sendung von Markus Lanz: Egal wie viele illegale Einwanderer abgeschoben würden, daran ändere sich nichts – der letzte deutsche Metzger in der Fußgängerzone von Wattenscheid habe geschlossen, der verbliebene sei ein Halal-Metzger. Lanz reagierte spontan mit dem Wort „Selbstaufgabe“.
Wattenscheid, eine alte Arbeiterstadt im Ruhrgebiet mit heute hohem Ausländeranteil, steht sinnbildlich für den strukturellen Wandel ganzer Regionen. Ratke kennt die Stadt aus eigener Erfahrung – er stammt von dort, hat eine Karriere als Industriekaufmann und Gewerkschafter bei der IGBCE hinter sich und sitzt heute im Europaparlament.
Genau deshalb wiegt die Aussage besonders schwer: Ein Mann, der den Arbeitnehmerflügel der CDU anführt und selbst aus diesem Milieu stammt, signalisiert implizit, dass politisches Handeln an dieser Realität nichts ändern werde – und das als Vertreter einer Partei, die seit Jahren Migrationspolitik als Kernthema beansprucht.
AfD und Alice Weidel nutzen den Moment sofort
Alice Weidel reagierte umgehend auf Social Media und bezeichnete Ratkes Äußerung als „Kapitulationserklärung der CDU“. Die Union habe keinen positiven Gestaltungswillen mehr und habe „unser Deutschland längst aufgegeben“ – so die AfD-Chefin.
Reitz kommentiert das nüchtern: Die AfD ist auf sozialen Plattformen schlicht besser aufgestellt als die etablierten Parteien – und das sei eine bewusste Entscheidung der anderen, keine Stärke der AfD allein. Dennoch treffe Weidels Zuspitzung diesmal einen realen Kern, wie schon Lanz‘ Reaktion gezeigt habe.
- Die AfD gilt als führend im Bereich Social-Media-Kommunikation unter den deutschen Parteien.
- CDU, SPD und Grüne werden seit Jahren für ihre schwache Präsenz auf digitalen Plattformen kritisiert.
- Ratkes Aussage lieferte der AfD eine fertige Vorlage – ohne eigenes Zutun.
- Das Vertrauen in die politische Klasse ist laut Umfragen auf einem Tiefstand.
Zweiter Ausrutscher: Linnemann, Laumann und ein peinliches Zitat
Bereits zu Beginn derselben Woche hatte Karl Josef Laumann bei Lanz für Irritationen gesorgt. Thema war die jüngste Kabinettsumbildung unter Bundeskanzler Friedrich Merz: Carsten Linnemann, zuvor CDU-Generalsekretär, wurde zum Gesundheitsminister ernannt – obwohl er selbst rund ein Jahr zuvor öffentlich gesagt hatte, er sei für dieses Amt „überhaupt nicht gebaut“ und wolle es auch nicht.
Lanz spielte Laumann das Originalzitat Linnemanns vor. Laumanns Reaktion: Das interessiere „nicht sehr viele Leute“ in der Bevölkerung. Für Reitz ist das ein klassisches Glaubwürdigkeitsproblem in einer Zeit, in der digitale Medien kein Statement vergessen lassen.
Die Folgen sind absehbar: Merz, der ohnehin mit historisch schlechten Vertrauenswerten kämpft, verlor durch die Kabinettsumbildung weiteren Kredit. Und Laumann verstärkte mit seiner Aussage das Bild einer abgehobenen politischen Klasse, die Wählerinteressen als irrelevant abtut.
Ein strukturelles Problem der Union kurz vor der Wahl
Beide Vorfälle stammen aus dem sogenannten Herz-Jesu-Flügel der CDU – dem sozial-christlichen Arbeitnehmerflügel, der traditionell die Brücke zur Arbeiterschaft schlagen soll. Dass ausgerechnet von dort arrogante Signale kommen, erklärt nach Einschätzung von Reitz, warum immer mehr Arbeiter und Einwanderer der zweiten Generation zur AfD abwandern.
Zweieinhalb Wochen vor der nächsten Wahl treffen diese Ausrutscher auf ein politisches Klima, das von Misstrauen geprägt ist: schlechte Wirtschaftsdaten, anhaltende Probleme bei Abschiebungen und ein tief verwurzeltes Gefühl, dass die Politik den Alltag der Menschen nicht mehr versteht. Die CDU, so das Fazit, ist in dieser Woche vor allem eines gewesen: der Architekt ihres eigenen Unglücks.
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