BSW als Königsmacher für die AfD in Sachsen-Anhalt?

Dieses Video wurde am 15.08.2026 von DW News auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

In Sachsen-Anhalt könnte die politische Landschaft Deutschlands im September eine historische Wendung nehmen. Die AfD liegt in Umfragen bei rund 41 Prozent und steht damit so nah wie nie zuvor an einer Regierungsbeteiligung in einem deutschen Bundesland. Entscheidend könnte dabei ausgerechnet eine kleine linke Splitterpartei werden: das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Die Konstellation birgt erheblichen Sprengstoff – für die Brandmauer der etablierten Parteien, für die politische Kultur in Ostdeutschland und möglicherweise für ganz Deutschland.

Die AfD kurz vor der Machtübernahme in Sachsen-Anhalt

Mit 41 Prozent in den aktuellen Umfragen fehlt der AfD in Sachsen-Anhalt nur wenig zur absoluten Mehrheit, die sie für eine Alleinregierung benötigen würde. Der dortige Landesverband gilt als besonders radikaler Flügel der Partei, der weitreichende Veränderungen in der Migrationspolitik sowie bei staatlichen Institutionen anstrebt.

Bislang haben alle relevanten Parteien eine strikte Brandmauer gegen die AfD aufrechterhalten – keine Kooperation auf keiner Ebene. Doch genau diese Linie könnte nun erstmals brechen. Denn: Reicht die AfD-Mehrheit nicht aus, braucht sie rechnerisch Unterstützung von anderer Seite.

Das BSW: Zwischen Relevanzsuche und politischem Kalkül

Das Bündnis Sahra Wagenknecht spaltete sich vor der letzten Bundestagswahl von der Linkspartei ab. Sahra Wagenknecht wollte sich von einer als zu „woke“ empfundenen Agenda distanzieren. Das BSW positionierte sich seitdem als:

  • migrationsskeptisch und für schärfere Einwanderungskontrollen
  • israelkritisch in der Außenpolitik
  • russlandfreundlich und gegen westliche Waffenlieferungen
  • stark auf die Führungsfigur Wagenknecht zugeschnitten

Bei der Bundestagswahl scheiterte das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde und zog nicht in den Bundestag ein. In einigen Landesparlamenten ist die Partei jedoch vertreten – und in Sachsen-Anhalt könnte sie nun eine Schlüsselrolle spielen.

Das Ultimatum: Wie das BSW zur Königsmacherin werden könnte

Wagenknecht hat ein klares Ultimatum formuliert: Sollten die anderen Parteien ihre Forderung nach einem parteilosen Ministerpräsidenten ablehnen, der sich zur Zusammenarbeit mit allen Fraktionen bekennt, würde das BSW in der entscheidenden Abstimmungsrunde abstentieren – also die Stimme verweigern.

Die Konsequenz wäre gravierend: Durch die Stimmenthaltung des BSW könnte die AfD im letzten Wahlgang die notwendige Mehrheit erhalten und den Ministerpräsidentenposten besetzen – ohne dass das BSW formal Teil der Regierung wäre.

Wagenknechts erklärtes Ziel für diese Wahl ist dabei weniger die Unterstützung der AfD als vielmehr die Ablösung des amtierenden CDU-Ministerpräsidenten. Was die BSW durch dieses Manöver politisch gewinnen würde, bleibt jedoch unklar.

Folgen weit über Sachsen-Anhalt hinaus

Sollte die Brandmauer gegen die AfD in Sachsen-Anhalt fallen, hätte das weitreichende Signalwirkung für die gesamte Bundesrepublik. Eine erstmalige Regierungsbeteiligung der AfD – selbst indirekt ermöglicht durch das BSW – würde die politischen Spielregeln in Deutschland grundlegend verändern.

Gleichzeitig ist nicht gesichert, dass die AfD überhaupt auf eine Zusammenarbeit mit dem BSW angewiesen sein wird oder will. Die Partei strebt weiterhin eine absolute Mehrheit an, die jegliche Koalition überflüssig machen würde. Ob Wagenknechts Kalkül politische Substanz hat oder vor allem der eigenen Profilierung dient, wird sich erst nach der Wahl im September zeigen. Fest steht: Die Konstellation in Sachsen-Anhalt ist ein Stresstest für das gesamte deutsche Parteiensystem.

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