Dieses Video wurde am 20.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Der Streit über eine mögliche BSW-AfD-Zusammenarbeit belastet das Bündnis Sahra Wagenknecht gleich in zwei Bundesländern. Während Parteigründerin Sahra Wagenknecht in Sachsen-Anhalt Wahlkampf macht und Gesprächsbereitschaft gegenüber der AfD signalisiert, brodelt es in der Thüringer BSW-Fraktion. Zwei rivalisierende Linien treffen aufeinander: die bundespolitische Führung um Wagenknecht und Teile der eigenen Landtagsfraktionen, die eine Annäherung an die AfD strikt ablehnen.
Wagenknecht in Sachsen-Anhalt: Gespräche mit allen gewählten Parteien
Auf dem Marktplatz in Dessau warb Sahra Wagenknecht persönlich darum, dem BSW bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt den Einzug in den Landtag zu sichern. Ihr erklärtes Ziel ist es, die CDU-geführte Landesregierung unter Ministerpräsident Sven Schulze abzulösen.
Dabei schloss Wagenknecht explizit Gespräche mit der AfD nicht aus. Man müsse, so ihre Argumentation, mit allen demokratisch gewählten Parteien im Landtag sprechen. Als Wahlziel nannte sie einen überparteilichen Ministerpräsidenten – eine Formulierung, die Spielraum für verschiedene Koalitionskonstellationen lässt.
Diese Aussage sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit und verstärkte innerparteiliche Spannungen, die bereits seit Wochen schwelen.
Höckes Angebot und Wagenknechts Reaktion
In Thüringen hatte AfD-Landeschef Björn Höcke dem BSW bereits offen eine Zusammenarbeit angeboten. Sein Ziel: den CDU-Ministerpräsidenten Mario Vogt zu stürzen. Höcke forderte das BSW auf, die bestehende Koalition mit CDU und SPD zu verlassen und stattdessen mit der AfD zu kooperieren – verbunden mit dem Angebot, Wagenknecht zur Ministerpräsidentin zu machen.
Wagenknecht lehnte das Angebot ab, schlug jedoch ein öffentliches Live-Duell mit Höcke vor. Mit dem Satz „Warum reden wir eigentlich nicht mal miteinander?“ zeigte sie sich zu einem direkten Austausch bereit – was von Kritikerinnen und Kritikern als weiterer Schritt der Annäherung gewertet wurde.
BSW-Fraktion in Thüringen: Scharfer Widerstand gegen AfD-Kontakte
In der Thüringer BSW-Fraktion stoßen diese Kontaktaufnahmen auf erheblichen Widerstand. Mehrere Fraktionsmitglieder machen deutlich, dass das BSW gegründet worden sei, um demokratische Wählerinnen und Wähler zu erreichen – ausdrücklich als Alternative zur AfD, nicht als deren Bündnispartner.
Die Kritik lässt sich in drei Kernpunkten zusammenfassen:
- Das BSW dürfe keine „Schleichwerbung“ für die AfD betreiben.
- Eine Zusammenarbeit mit der „Höcke-AfD“ sei politisch inakzeptabel.
- Ministerpräsident Vogt sei nach dem Entzug seines Doktortitels wegen Plagiatsvorwürfen nicht mehr tragbar.
Zwei BSW-Abgeordnete hatten zwischenzeitlich angekündigt, die Regierung von Ministerpräsident Vogt nicht länger zu unterstützen. Nach einem parteiinternen Kraftakt wollen sie die Koalition nun zumindest bis zu einem Sonderparteitag mittragen.
Misstrauensvotum gegen Vogt: AfD erhöht den Druck
Die Lage in Thüringen droht sich weiter zuzuspitzen. Auf Antrag der AfD muss der Thüringer Landtag schon bald über ein Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Mario Vogt abstimmen. Das bringt das BSW in eine heikle Position: Stimmt die Fraktion zu, käme sie der AfD entgegen. Verweigert sie die Zustimmung, muss sie die Koalition mit CDU und SPD aktiv verteidigen – trotz interner Vorbehalte gegen Vogt.
Vogt selbst zeigte sich beim Sommerfest der BSW-Fraktion unbeeindruckt. Er bekräftigte seinen Willen zu stabiler Regierungsarbeit und warnte davor, die Stabilität Thüringens von außen zu gefährden.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das BSW seinen politischen Kurs zwischen Regierungsverantwortung und Profilierungsdrang gegenüber der AfD halten kann – oder ob der wachsende Druck die Partei weiter spaltet.
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