BSW und AfD: Wagenknecht im Sachsen-Anhalt-Wahlkampf

Dieses Video wurde am 20.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt hat Sahra Wagenknecht erneut die Frage aufgeworfen, wie das BSW künftig mit der AfD im Landtag umgehen soll. Wagenknecht erklärte, dass man mit allen demokratisch gewählten Parteien sprechen müsse, wenn man gemeinsam in einem Parlament sitze – eine Aussage, die innerhalb des BSW für erhebliche Unruhe sorgt. Die Diskussion um eine mögliche Annäherung zwischen BSW und AfD ist damit erneut entfacht.

Wagenknechts Position: Gesprächsbereitschaft statt Koalition

Wagenknecht betonte, dass Gesprächsbereitschaft gegenüber allen im Landtag vertretenen Parteien – einschließlich der AfD – selbstverständlich sei. Sie sieht darin keinen Widerspruch zu den Grundwerten des BSW, sondern eine pragmatische Notwendigkeit des parlamentarischen Alltags.

Gleichzeitig verdeutlichte sie die Grenzen dieser Offenheit: Als AfD-Landeschef Björn Höcke in Thüringen eine Zusammenarbeit anbot, um den CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt zu stürzen, lehnte Wagenknecht dieses Angebot klar ab. Stattdessen schlug sie Höcke ein öffentliches Livegespräch vor – eine rhetorische Geste, die Distanz wahren und zugleich Gesprächsbereitschaft signalisieren sollte.

Mit den Worten „Wir reden gerade viel übereinander – warum reden wir nicht mal miteinander?“ richtete sie sich direkt an den thüringischen AfD-Chef und sorgte damit für breites mediales Echo.

Kritik aus den eigenen Reihen: Spaltung in der BSW-Fraktion

Innerhalb des BSW stoßen solche Annäherungsversuche auf deutlichen Widerstand. Teile der BSW-Fraktion in Thüringen sehen die Kontaktaufnahmen mit der AfD als Verrat an den Gründungszielen der Partei.

Ein zentrales Argument der Kritiker lautet: Das BSW sei ursprünglich gegründet worden, um Menschen eine demokratische Alternative zu bieten – insbesondere jenen, die sich von der etablierten Politik nicht mehr vertreten fühlen und sonst zur AfD abwandern würden. Jede Annäherung an die AfD konterkariere diesen Anspruch.

  • Das BSW positionierte sich bei seiner Gründung als linke Protestpartei jenseits von AfD und Establishment.
  • Mehrheitlich lehnt die BSW-Fraktion in Thüringen eine Zusammenarbeit mit der AfD ab.
  • Kritiker innerhalb des BSW sprechen von „Schleichwerbung für die AfD“.
  • Höckes Angebot zur Kooperation gegen den CDU-Ministerpräsidenten wurde von Wagenknecht abgelehnt.

Die interne Debatte zeigt, wie schwierig es für das BSW ist, eine klare Abgrenzung zur AfD aufrechtzuerhalten und gleichzeitig parlamentarisch handlungsfähig zu bleiben.

Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: BSW unter Druck

Mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht das BSW vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits muss die Partei Wählerinnen und Wähler mobilisieren, die der etablierten Politik den Rücken gekehrt haben. Andererseits darf sie sich nicht zu weit an die AfD annähern, ohne ihre eigene Glaubwürdigkeit als demokratische Kraft zu gefährden.

Wagenknechts Wahlkampfauftritt in Sachsen-Anhalt verdeutlicht diese Zerreißprobe. Die Partei möchte im nächsten Landtag vertreten sein – und geht dabei offenbar davon aus, gemeinsam mit der AfD im Parlament zu sitzen, ohne mit ihr zu koalieren.

Ob diese Gratwanderung gelingt, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie überzeugend das BSW sein eigenständiges Profil schärft und die inneren Konflikte über den Umgang mit der AfD klärt.

Einordnung: Eine Partei sucht ihre Identität

Die Diskussion um BSW und AfD ist symptomatisch für eine junge Partei, die ihren Platz im politischen Spektrum noch definiert. Das BSW beansprucht, eine Alternative zum politischen Establishment zu sein – aber auch zur AfD. Diesen Spagat glaubhaft zu vollziehen, bleibt die zentrale Aufgabe für Wagenknecht und ihre Partei im Wahlkampf.

Die kommenden Wochen in Sachsen-Anhalt werden zeigen, ob das BSW diese Balance halten kann oder ob die internen Spannungen die Außenwirkung der Partei nachhaltig beschädigen.

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