Dieses Video wurde am 24.09.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Bei der ARD-Talkshow Maischberger trafen Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) und Amira Mohamed Ali (BSW) aufeinander, um über die Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen, den Umgang mit der AfD und die BSW Ukraine-Politik zu diskutieren. Dabei wurden grundlegende Unterschiede in der Herangehensweise beider Politikerinnen deutlich – und es fielen scharfe gegenseitige Vorwürfe.
FDP und BSW nach den Landtagswahlen: Ernüchterung und Selbstkritik
Strack-Zimmermann räumte offen ein, dass die FDP bei den jüngsten Landtagswahlen in Ostdeutschland und Berlin weit hinter den Erwartungen geblieben ist. Ergebnisse von teils unter drei Prozent, einmal sogar nur ein Prozent, machte sie unter anderem an fehlenden emotionalen Themen und mangelnder Präsenz fest. Als Beispiel nannte sie den Mobilisierungseffekt der Tierschutzpartei, die mit einem hochemotionalen Einzelthema punktete.
Für die Zukunft setzt Strack-Zimmermann auf größere Flächenländer wie Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, das Saarland und Niedersachsen, wo die FDP deutlich stärkere Strukturen besitzt. Eine Aufarbeitung der Wahlniederlagen sei unausweichlich, doch die entscheidenden Weichenstellungen kämen erst noch.
BSW, Sachsen-Anhalt und der Vorwurf der AfD-Nähe
Mohamed Ali sah sich mit dem zentralen Vorwurf konfrontiert, das BSW helfe der AfD trotz gegenteiliger Beteuerungen indirekt in den Sattel. Konkret ging es um die Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt: Das BSW kündigte an, sich bei der Abstimmung über den AfD-Kandidaten Mario Siegmund zu enthalten – weder dafür noch dagegen zu stimmen.
Strack-Zimmermann kritisierte dies scharf: Eine Enthaltung sei kein klares Nein. Mohamed Ali widersprach und betonte, das BSW werde Siegmund in keinem Wahlgang aktiv wählen und auch keine Koalition mit der AfD eingehen. Den Vorwurf, das BSW trage Mitschuld an der Stärke der AfD, wies sie zurück:
- Die AfD sei durch die schlechte Politik der Bundesregierung und ihrer Vorgänger gewachsen.
- Die bisherige Brandmauer-Strategie habe die AfD nicht geschwächt, sondern ihr ermöglicht, sich als Opfer zu inszenieren.
- Das BSW wolle aus dieser Logik aussteigen und parlamentarische Gepflogenheiten wieder respektieren.
- Koalitionsverhandlungen mit der AfD schloss Mohamed Ali ausdrücklich aus.
Strack-Zimmermann erinnerte an den Vorfall in Thüringen 2020, als FDP-Kandidat Thomas Kemmerich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt worden war – ein Vorgang, den Mohamed Ali damals als Linken-Fraktionschefin scharf verurteilt hatte. Die Frage, warum dieselben Maßstäbe heute nicht mehr gelten sollten, blieb Gegenstand hitziger Debatte.
BSW Ukraine-Politik: Diplomatie statt Waffenlieferungen
Ein weiterer Konfliktherd war die Ukraine-Politik. Mohamed Ali forderte einen sofortigen Waffenstillstand, diplomatische Initiativen und Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Sie argumentierte, die Ukraine könne den Krieg militärisch nicht gewinnen, weshalb eine Eskalationsspirale unbedingt vermieden werden müsse – auch mit Blick auf das Risiko eines atomaren Konflikts.
Strack-Zimmermann hielt dagegen: Wladimir Putin habe wiederholt klargemacht, die gesamte Ukraine vereinnahmen zu wollen. Diplomatische Gespräche seien nur möglich, wenn Russland gesprächsbereit sei – was bislang nicht der Fall sei. Zugleich warnte sie vor hybrider Kriegsführung: Sabotageakte an Infrastruktur, Cyberangriffe und gezielte Desinformation seien Teil einer russischen Strategie zur Destabilisierung Europas.
Auch den Tankrabatt der Bundesregierung als Reaktion auf gestiegene Spritpreise – mitverursacht durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten – bewerteten beide Politikerinnen nur als unzureichenden Schritt. Strack-Zimmermann forderte grundsätzlich eine Senkung der Mineralölsteuer; Mohamed Ali sah den Rabatt als kleines Signal in die richtige Richtung, das aber nicht ausreiche.
Einordnung: Zwei Parteien, zwei Krisendiagnosen
Die Diskussion machte deutlich, wie unterschiedlich FDP und BSW die politischen Krisen der Gegenwart diagnostizieren. Während Strack-Zimmermann die Verantwortung für den Aufstieg der AfD in erster Linie bei Russland und geopolitischen Akteuren verortet, sieht Mohamed Ali das Versagen im Innern – bei der Sozialpolitik, der Wirtschaftspolitik und der mangelnden Responsivität der etablierten Parteien gegenüber den Sorgen breiter Bevölkerungsschichten. Wie sich das BSW bei den anstehenden Abstimmungen in Sachsen-Anhalt tatsächlich verhält und ob die FDP bei den nächsten Landtagswahlen in westdeutschen Bundesländern eine Trendwende schafft, wird zeigen, wessen Strategie mehr Überzeugungskraft besitzt.
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