Dieses Video wurde am 19.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Tagelang im Kreis laufen, fast ohne Pause, bis der Körper nicht mehr kann – beim Backyard Ultra ist genau das das Ziel. Das Extremlaufformat hat zuletzt tausende Zuschauende in sozialen Netzwerken und auf Streamingplattformen gebannt. Von Freitag bis Dienstag fand in Deutschland einer der größten Backyard-Ultra-Wettkämpfe des Jahres statt. Der Sieger: Mark Daudle aus den USA, der nach fast vier Tagen und über 630 Kilometern als Letzter auf den Beinen stand.
Das Prinzip des Backyard Ultra: Simpel, aber brutal
Die Regeln des Backyard Ultra sind denkbar einfach. Zu jeder vollen Stunde starten alle verbliebenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Runde – exakt 6,7 Kilometer lang. Wer die Runde vor Ablauf der Stunde beendet, darf sich in der Restzeit erholen. Wer die Runde nicht rechtzeitig schafft und nicht pünktlich zum nächsten Start an der Startlinie steht, scheidet aus.
Dieses Prinzip wiederholt sich stundenlang – und tagelang. Es gibt kein festgelegtes Ende, keine vorher definierte Gesamtstrecke. Der Wettkampf läuft so lange weiter, bis nur noch eine einzige Person übrig bleibt. Alle anderen müssen vorher aufgegeben haben oder wurden disqualifiziert.
Mark Daudle gewinnt nach fast vier Tagen und 630 Kilometern
Der diesjährige Sieger in Deutschland, der US-Amerikaner Mark Daudle, absolvierte die Strapaze über nahezu vier volle Tage. Mit mehr als 630 zurückgelegten Kilometern setzte er sich gegen alle Konkurrentinnen und Konkurrenten durch. Das Event wurde live auf der Plattform 247 gestreamt und zog tausende Zuschauerinnen und Zuschauer an, die den Athleten rund um die Uhr beim Laufen verfolgten.
Die Live-Übertragung machte den Reiz des Formats besonders deutlich: Man sieht Menschen in Echtzeit an ihre absolutem Grenzen gehen – körperlich wie mental. Die Kombination aus Ausdauer, Schlafentzug und psychischer Belastbarkeit macht Backyard Ultras zu einer der härtesten Disziplinen im Ausdauersport.
Faszination und Risiken: Wenn Sport zur Sucht wird
Was Backyard Ultras so fesselnd macht, birgt gleichzeitig erhebliche Gefahren. Expertinnen und Experten warnen, dass sich manche Teilnehmende dabei wie Sportsüchtige verhalten. Konkret bedeutet das: Der innere Drang, weiterzulaufen, wird so übermächtig, dass selbst ernsthafte Verletzungen ignoriert werden.
Typische Risiken und Warnsignale sind:
- Ignorieren von Verletzungen wie Blasen, Muskelverletzungen oder Gelenkschmerzen
- Extremer Schlafentzug über mehrere Tage hinweg
- Psychische Erschöpfung und mögliche Halluzinationen
- Unterzuckerung und Dehydration durch mangelnde Ernährungskontrolle
- Langfristige Schäden an Muskeln, Sehnen und dem Herz-Kreislauf-System
Im schlimmsten Fall riskieren Teilnehmende durch das Ignorieren körperlicher Warnsignale ihre langfristige Gesundheit. Medizinische Begleitung und eine konsequente Selbstwahrnehmung sind deshalb unverzichtbar – doch genau diese kann unter extremem Erschöpfungsdruck nachlassen.
Trendsport mit wachsender Community
Trotz aller Risiken wächst die Backyard-Ultra-Szene rasant. Die Kombination aus klaren Regeln, dramatischer Spannung und der Möglichkeit, das Geschehen live zu verfolgen, macht das Format ideal für soziale Medien und Streamingplattformen. Viele feiern die Athletinnen und Athleten als Symbole für Willenskraft und mentale Stärke.
Gleichzeitig stellt das wachsende Interesse auch Veranstalter vor Verantwortung: Medizinische Betreuung, klare Abbruchkriterien und Aufklärung über die Risiken müssen integraler Bestandteil jedes Events sein. Ob Backyard Ultras langfristig zu einem etablierten Wettkampfformat werden oder eher eine Nischenerscheinung bleiben, wird auch davon abhängen, wie ernsthaft die Szene mit den Gefahren umgeht.
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