Dieses Video wurde am 10.04.2026 von WDR aktuell auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die Artemis-2-Mission hat Geschichte geschrieben: Noch nie zuvor flogen Menschen weiter von der Erde entfernt, noch nie war die Rückseite des Mondes so detailliert zu sehen. Doch der vielleicht kritischste Moment steht noch bevor: die Rückkehr zur Erde. In den frühen Morgenstunden soll die Kapsel mit vier Astronauten an Bord im Pazifik nahe San Diego wassern – nach einem halsbrecherischen Eintritt in die Erdatmosphäre, der alles abverlangt, was Technik und Besatzung zu bieten haben.
Erste bemannte Mondmission seit den 1970er-Jahren
Artemis 2 ist die erste Mission dieser Art seit mehr als 50 Jahren und wird weltweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Menschen in ganz Deutschland, darunter viele in Nordrhein-Westfalen, haben die Reise von Beginn an begeistert mitverfolgt – vom Start über die historischen Aufnahmen der Mondrückseite bis hin zu persönlichen Grüßen der Crew aus dem All.
Was die Mission so besonders macht, lässt sich in Zahlen kaum fassen: Die Orion-Kapsel legte eine Distanz zurück, die jeden vorherigen bemannten Raumflug in den Schatten stellt. Für viele Beobachterinnen und Beobachter war dennoch klar: Solange die Crew nicht sicher zu Hause ist, kann man nicht aufatmen.
Artemis 2 Rückkehr: Feuerball mit 38.000 km/h
Der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre gilt als der gefährlichste Teil der gesamten Mission. Die Kapsel wird mit einer Geschwindigkeit von zeitweise über 38.000 Kilometern pro Stunde – das entspricht fast der 40-fachen Schallgeschwindigkeit – auf die Erde zurasen.
Astronaut Victor Glover zeigte sich vor der Landung ungewohnt offen über seine Vorfreude: „Seit wir für diese Mission ausgewählt wurden, denke ich über die Rückkehr nach. Auf einer Feuerkugel durch die Atmosphäre zu reiten – das ist extrem.“ Für ihn ist die Wasserlandung der Höhepunkt der gesamten Reise.
Beim Eintritt in die dichte Lufthülle der Erde heizt sich die Außenhülle der Kapsel auf rund 2.800 Grad Celsius auf. Ein spezieller Hitzeschild aus einem Hochleistungs-Verbundmaterial soll die Besatzung vor dieser extremen Temperatur schützen.
Fallschirme, Funkausfall und unkontrollierbare Bewegungen
Der deutsche Astronaut Reinhold Ewald, der 1997 im All war, beschreibt den Atmosphäreneintritt aus eigener Erfahrung als „wilden Ritt“. Die Kapsel kämpft gegen den Luftwiderstand, der sie stark abbremst – von fast 40-facher Schallgeschwindigkeit auf schließlich rund 32 Kilometer pro Stunde bei der Wasserung.
Dabei treten mehrere Phänomene gleichzeitig auf:
- Extreme Hitzeentwicklung durch Reibung mit der Atmosphäre
- Vollständiger Funkausfall für mehrere Minuten
- Heftige, unkontrollierbare Bewegungen in alle Richtungen
- Automatisches Öffnen mehrerer Bremsfallschirme in Stufen
- Kein manuelles Eingreifen der Crew möglich
Ewald fasste das Gefühl so zusammen: „Man war verschnürt wie ein Rollbraten und konnte nur hoffen, dass alle Systeme technisch funktionieren.“ Genau diese Kombination aus Ohnmacht und blindem Vertrauen in die Technik macht den Wiedereintritt so besonders.
Bergung im Pazifik: Monate der Vorbereitung
Damit nach der Landung alles reibungslos abläuft, laufen die Vorbereitungen zur Bergung der Orion-Kapsel bereits seit Monaten. Die entsprechenden Abläufe wurden im vergangenen Jahr in einer groß angelegten Übung geprobt. Für die präzise Steuerung der Landezone werden Wetterballons eingesetzt, die Windverhältnisse und atmosphärische Bedingungen in Echtzeit übermitteln.
Die Wasserung ist für rund zwei Uhr mitteleuropäischer Zeit geplant. Bergungsschiffe und Teams der US-Marine stehen bereit, um die Kapsel und ihre Besatzung aus dem Pazifik zu holen. Mit der sicheren Rückkehr der vier Astronauten würde Artemis 2 nicht nur als Rekordmission in die Geschichte eingehen – sie wäre auch ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur nächsten Mondlandung im Rahmen des Artemis-Programms der NASA.
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