Dieses Video wurde am 06.05.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Das neue Altersvorsorgedepot könnte die private Altersvorsorge in Deutschland grundlegend verändern. Ab dem 1. Januar 2026 soll das Modell starten – vorausgesetzt, der Bundesrat stimmt wie geplant am 8. Mai zu. Wer regelmäßig einzahlt, kann sich über bis zu 540 Euro staatlichen Zuschuss pro Jahr freuen, hinzu kommen weitere Prämien für Kinder. Das klingt nach einer echten Alternative zur klassischen Riester-Rente – und soll nach Ansicht von Experten genau das sein.
Was ist das Altersvorsorgedepot und wie funktioniert es?
Beim Altersvorsorgedepot handelt es sich im Kern um ein privates Wertpapierdepot, das staatlich gefördert wird. Anlegerinnen und Anleger können bei einem Anbieter ihrer Wahl ein solches Depot eröffnen und darin ETF-Sparpläne oder Investmentfonds für die langfristige Altersvorsorge besparen.
Die wichtigsten Eckdaten im Überblick:
- Maximale Einzahlung: 1.800 Euro pro Jahr
- Staatliche Grundprämie: bis zu 540 Euro jährlich
- Kinderzulage: zusätzlich 300 Euro pro Kind im kindergeldberechtigten Alter
- Das angelegte Kapital wächst steuerfrei bis zum Renteneintrittsalter
- Keine Garantieverpflichtung, keine Pflicht zur lebenslangen Leibrente
Gerade Geringverdiener mit Kindern profitieren besonders stark: Wer monatlich nur 25 Euro einzahlt – also 300 Euro im Jahr – und zwei Kinder hat, erhält 750 Euro an staatlichen Zulagen. Das Depot arbeitet damit mit mehr Fremdkapital als mit Eigenkapital.
Altersvorsorgedepot vs. Riester-Rente: die entscheidenden Unterschiede
Die Riester-Rente gilt seit Jahren als gescheitert – hohe Kosten, starre Strukturen und die Pflicht zur Garantieverzinsung haben dafür gesorgt, dass das Produkt bei Verbrauchern kaum beliebt ist. Das neue Depot setzt bewusst auf das Gegenteil.
Während Riester-Verträge eine 100-Prozent-Beitragsgarantie vorschreiben, entfällt diese beim Altersvorsorgedepot. Garantien kosten Rendite, weil das Geld konservativ angelegt werden muss. Die Verbraucherzentrale hatte bereits darauf hingewiesen, dass die Garantiepflicht einer der größten Renditekiller in der Altersvorsorge ist.
Das neue Modell sieht drei Varianten vor:
- Ein garantiertes Modell (volle Beitragsgarantie)
- Ein 80-Prozent-Sicherungsmodell
- Ein garantiefreies Modell mit maximaler Anlagefreiheit
Neobroker und Direktbanken werden voraussichtlich ausschließlich das garantiefreie Modell anbieten. Garantie-Varianten dürften eher bei Versicherungsanbietern zu finden sein.
Flexibilität: Wann kann man auf das Geld zugreifen?
Das Altersvorsorgedepot ist als langfristiges Instrument konzipiert, bietet aber mehr Flexibilität als Riester. Eine vorzeitige Entnahme ist grundsätzlich möglich – allerdings mit steuerlichen Konsequenzen: Alle bis dahin erzielten Gewinne werden nicht mit der Abgeltungssteuer, sondern mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Außerdem müssen sämtliche erhaltenen staatlichen Zulagen zurückgezahlt werden.
Eine wichtige Ausnahme gilt für den Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum: Wer das angesparte Kapital für eine selbst bewohnte Immobilie nutzt, kann es zulagenunschädlich entnehmen. Der Gesetzgeber wertet das als gleichwertige Altersvorsorge, da die eigene Immobilie im Alter Mietkosten spart.
Investmentkultur in Deutschland: Ein langer Weg
Deutschland hinkt beim Thema private Kapitalanlage im internationalen Vergleich deutlich hinterher. Während in den USA und den nordischen Ländern Aktien und Fonds zur Standardanlage gehören, dominierte hierzulande jahrzehntelang das Sparbuch. Das zeigt sich unmittelbar in den Vermögenswerten: Deutsche Haushalte besitzen im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich viel Kapitalmarktvermögen.
Bei der jüngeren Generation zeichnet sich jedoch ein Wandel ab: Bereits mehr als 50 Prozent der unter 30-Jährigen investieren in Wertpapiere. Das Altersvorsorgedepot könnte diesen Trend beschleunigen und auch ältere Altersgruppen erreichen. Anbieter wie Neobroker arbeiten bereits an der technischen Umsetzung für den geplanten Start zum Jahresbeginn 2026 – auch wenn noch nicht alle gesetzlichen Detailfragen abschließend geklärt sind.
Ob das Altersvorsorgedepot tatsächlich zum Gamechanger für die private Altersvorsorge in Deutschland wird, hängt letztlich davon ab, wie gut Verbraucherinnen und Verbraucher über die Funktionsweise informiert werden. Finanzielle Bildung – etwa durch ein eigenes Schulfach Wirtschaft – bleibt dabei eine gesellschaftliche Aufgabe, die über den Erfolg des neuen Modells mitentscheiden dürfte.
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