Dieses Video wurde am 06.05.2026 von BILD auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Das neue Altersvorsorgedepot soll zum 1. Januar 2026 starten und die private Altersvorsorge in Deutschland grundlegend verändern. Nach dem geplanten Bundesratsbeschluss am 8. Mai steht fest: Wer frühzeitig in ETF-Sparpläne investiert, kann von einer staatlichen Förderung profitieren, die weit über das hinausgeht, was Riester je geboten hat. Gleichzeitig sorgen volatile Ölmärkte und geopolitische Unsicherheiten für Unruhe an den Börsen – und stellen Anleger vor die Frage, wie sie ihr Geld in turbulenten Zeiten am besten schützen und mehren.
Ölpreisschock und Börsenverhältnis: Was Anleger jetzt wissen müssen
Seit dem Ausbruch des Iran-Konflikts Ende Februar ist der Ölpreis um rund 70 Prozent gestiegen. Der Grund liegt nicht allein in gestiegenen Kosten, sondern in einem echten Angebotsengpass: Etwa 20 Prozent der weltweiten Ölexporte laufen durch die Straße von Hormus – eine Route, die aktuell massiv unter Druck steht.
Die Folgen sind spürbar: Airlines weltweit streichen Flüge, Verbraucher zahlen mehr an der Zapfsäule, und die Weltwirtschaft gerät ins Stocken. Doch Experten mahnen zur Ruhe – solche Schocks haben historisch gesehen eine kurze Halbwertzeit.
Thomas Soltau, CEO von Smartbroker und Finanzexperte mit über 20 Jahren Erfahrung, empfiehlt Anlegern eine klare Strategie:
- Breit gestreut investiert bleiben und nicht in Panik verkaufen
- Bei größeren Kursrückgängen von 10 bis 15 Prozent gezielt nachkaufen
- Einzeltitel-Zockerei in vermeintlichen Gewinnerbranchen wie Rüstung vermeiden
- Den langfristigen Zinseszinseffekt für sich arbeiten lassen
Eine Studie von JP Morgan zum S&P 500 verdeutlicht das Risiko des falschen Timings: Wer vor 20 Jahren 10.000 Dollar investierte und durchhielt, verfügt heute über rund 80.000 Dollar. Wer jedoch die besten 60 Handelstage verpasste, wäre mit einem Verlust aus der Periode herausgegangen.
Die neue Normalität: Warum Börsen dauerhaft volatiler werden
Die erhöhte Volatilität der Märkte ist kein vorübergehendes Phänomen. Seit dem Corona-Crash folgt alle paar Monate ein neues erschütterndes Ereignis – vom Ukraine-Krieg über den Iran-Konflikt bis hin zu unberechenbaren politischen Entscheidungen. Hinzu kommen strukturelle Veränderungen im Markt selbst.
Immer mehr Handelsentscheidungen werden von Algorithmen und automatisierten Systemen getroffen. Auch der ETF-Boom trägt zur Volatilität bei: ETFs kaufen Index-Bestandteile mechanisch, unabhängig von der fundamentalen Bewertung einzelner Unternehmen. Menschliche Urteilskraft tritt in den Hintergrund.
Für Privatanleger bedeutet das: Wer lernt, diese Schwankungen auszusitzen, hat einen strukturellen Vorteil gegenüber jenen, die bei jedem Kurseinbruch die Nerven verlieren. Ruhe bewahren ist keine passive Strategie – es ist eine aktive Entscheidung.
10.000 Euro richtig investieren – die wichtigsten Grundsätze
Wer heute 10.000 Euro anlegt, sollte zunächst die eigenen Ziele kennen: Wie lange soll das Geld arbeiten? Wie viel Risiko ist tragbar? Erst dann folgt die Produktwahl. Wer das Geld in drei Jahren benötigt, ist mit einem Geldmarktfonds besser bedient als mit Aktien. Wer einen Zeithorizont von zehn Jahren oder mehr hat, kann auf breit gestreute ETFs setzen.
Der Zinseszinseffekt entfaltet seine volle Wirkung erst über lange Zeiträume: Bei einer durchschnittlichen Rendite von 7 Prozent – wie sie der MSCI World historisch erzielt hat – wachsen 10.000 Euro in 10 Jahren auf rund 19.700 Euro, in 40 Jahren auf etwa 150.000 Euro – ohne weiteres Zutun.
Wichtige Fehler, die Anleger vermeiden sollten:
- Einzelaktien kaufen, bevor Erfahrung mit ETFs gesammelt wurde
- Sich von Social-Media-Finfluencern zu riskanten Strategien verleiten lassen
- Hebelprodukte nutzen, ohne die Psychologie der Verluste zu kennen
- Aus dem Markt aussteigen, weil kurzfristige Kursverluste Angst machen
Altersvorsorgedepot: Gamechanger oder Riester 2.0?
Das neue Altersvorsorgedepot ist das Gegenteil von Riester. Es erlaubt, ETF- und Investmentfonds-Sparpläne in einem privaten Depot zu führen – gefördert durch den Staat, ohne Garantieverpflichtung und ohne Pflicht zur lebenslangen Leibrente.
Die staatliche Förderung ist großzügig: Wer bis zu 1.800 Euro jährlich einzahlt, erhält 540 Euro Grundzulage. Für jedes kindergeldberechtigte Kind kommen 300 Euro pro Jahr hinzu. Wer beispielsweise 25 Euro monatlich spart und zwei Kinder hat, zahlt 300 Euro ein und erhält 750 Euro Förderung obendrauf.
Das eingezahlte Kapital kann steuerfrei im Depot wachsen bis zum Renteneintritt. Ein vorzeitiger Ausstieg ist zwar möglich, zieht aber die Nachversteuerung mit dem persönlichen Einkommensteuersatz sowie die Rückzahlung aller Zulagen nach sich. Ausnahme: Wer das angesparte Kapital nach mindestens 20 Jahren für den Kauf einer selbst genutzten Immobilie nutzt, kann es zulageunschädlich entnehmen.
Ob das Altersvorsorgedepot tatsächlich eine Investitionskultur in Deutschland entfacht, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Kombination aus staatlicher Förderung, Kapitalmarktrendite und Flexibilität macht es zu einem der attraktivsten Altersvorsorge-Instrumente, die Deutschland bislang gesehen hat. Der Bundesratsbeschluss Mitte Mai dürfte die Weichen endgültig stellen.
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