AfD-Wahl im Osten: Sachsen-Anhalt und MV 2026

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Am 6. September 2026 wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag, zwei Wochen später, am 20. September 2026, folgt Mecklenburg-Vorpommern. In beiden ostdeutschen Bundesländern führt die AfD die Umfragen mit großem Vorsprung an. Das stellt alle anderen Parteien vor ein politisches Dilemma: Wie lässt sich eine stabile Regierung bilden, wenn die stärkste Kraft von allen anderen als Koalitionspartner abgelehnt wird?

Sachsen-Anhalt: AfD mit 42 Prozent weit vorne

Bei der Landtagswahl 2021 gewann die CDU unter Reiner Haseloff mit 37 Prozent klar. Die AfD kam damals auf knapp 21 Prozent. Seither hat sich das politische Bild grundlegend verändert. Laut einer aktuellen Insa-Umfrage erreicht die AfD derzeit 42 Prozent, die CDU nur noch 22 Prozent. Die Linke liegt bei 13 Prozent, die SPD bei 6 Prozent, das BSW knapp über der Fünf-Prozent-Hürde. Grüne und FDP würden den Einzug in den Landtag demnach verfehlen.

Die bislang regierende Deutschlandkoalition aus CDU, SPD und FDP hätte nach diesen Zahlen keine Mehrheit mehr. Selbst ein Bündnis aus CDU, SPD und Linken käme nur auf rund 41 Prozent – und wäre politisch kaum umsetzbar, da die CDU eine Koalition mit der Linken ablehnt.

Brandmauer und Minderheitsregierung: Die Optionen der CDU

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat eine Zusammenarbeit mit der AfD wiederholt ausgeschlossen und verweist auf den sogenannten Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU – die Brandmauer gegen AfD und Linke. Er betonte: „Ich habe nicht vor, mit der AfD hier zusammenzuarbeiten.“

Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Sigmund fordert dagegen, statt über Brandmauern solle über Politik diskutiert werden. Die AfD selbst gibt an, eine Alleinregierung anzustreben – dafür bräuchte sie jedoch die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag.

  • Absolute Mehrheit im laufenden Landtag: mindestens 49 von 97 Sitzen
  • Koalitionspartner: aktuell will keine andere Partei mit der AfD regieren
  • Minderheitsregierung: möglich, aber für jede Abstimmung auf wechselnde Mehrheiten angewiesen
  • Geschäftsführende Regierung: bleibt bis zur Bildung einer neuen Regierung im Amt

Besonders brisant ist die Rolle des BSW. Parteigründerin Sahra Wagenknecht hat angekündigt, sollte das BSW in den Landtag einziehen, wolle sie Schulze als Ministerpräsidenten abwählen und durch einen „überparteilichen“ Kandidaten ersetzen – notfalls mit wechselnden Mehrheiten, also auch mit Unterstützung der AfD. Im dritten Wahlgang zum Ministerpräsidenten genügt die einfache Stimmenmehrheit. Enthält sich das BSW, könnten die Chancen für den AfD-Kandidaten steigen.

Verfassungsschutz stuft AfD-Landesverband als rechtsextremistisch ein

Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt hat den AfD-Landesverband offiziell als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Grundlage sind zwei zentrale Befunde:

  • Das völkisch-nationalistische Weltbild führender Vertreter des Landesverbands
  • Migrationspolitische Forderungen, darunter das Schlagwort Remigration

Beide Punkte stehen laut Verfassungsschutz im Widerspruch zum Grundgesetz und zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Die AfD weist diese Einordnung entschieden zurück.

Mecklenburg-Vorpommern: Regierungsbildung könnte einfacher werden

In Mecklenburg-Vorpommern regiert Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) seit 2021 in einer rot-roten Koalition mit der Linken. Bei der damaligen Wahl kam die SPD auf fast 40 Prozent, die AfD auf 17 Prozent.

Laut einer Infratest-dimap-Umfrage vom Juli 2026 hat sich das Bild deutlich verschoben: Die AfD liegt bei 36 Prozent, die SPD bei 29 Prozent, die Linke bei 12 Prozent, die CDU bei 9 Prozent und die Grünen knapp über der Fünf-Prozent-Hürde bei 5 Prozent. Das BSW würde mit 4 Prozent den Einzug verfehlen.

Die bisherige rot-rote Koalition hätte keine Mehrheit mehr. Allerdings könnten SPD, Linke und Grüne gemeinsam eine Mehrheit bilden – es wäre die erste Drei-Parteien-Koalition in der Geschichte des Bundeslandes. Die Regierungsbildung dürfte dort damit deutlich unkomplizierter verlaufen als in Sachsen-Anhalt.

Ausblick: Wochen- oder monatelange Unsicherheit möglich

Beide Landtagswahlen werden bundesweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Ob die AfD erstmals in einem deutschen Bundesland mitregiert oder gar eine Landesregierung stellt, könnte sich nach dem 6. September als langwieriger Prozess erweisen. Umfragen unterliegen Schwankungen von zwei bis drei Prozentpunkten – sie sind eine Momentaufnahme, keine Prognose. Fest steht: Die politische Lage in Sachsen-Anhalt ist so unübersichtlich wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Für Deutschland insgesamt könnte das Ergebnis ein Signal mit weitreichenden Folgen für die politische Debatte um den Umgang mit der AfD sein.

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