Dieses Video wurde am 08.05.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die AfD hat im ARD-DeutschlandTrend mit 27 Prozent ihr bisher höchstes Ergebnis erzielt und liegt damit erstmals in der Sonntagsfrage vor der Union. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im Vormonat, während die CDU/CSU um zwei Punkte auf 24 Prozent absackt. Der Wert markiert einen historischen Einschnitt in der deutschen Parteienlandschaft und wirft die Frage auf, wie nachhaltig dieser Trend ist – und was ihn antreibt.
Aktuelle Umfragewerte im Überblick
Die Sonntagsfrage des ARD-DeutschlandTrends zeigt eine deutliche Verschiebung im Parteiensystem. Während die AfD mit 27 Prozent die Union überholt, bewegen sich die übrigen Parteien weitgehend stabil.
- AfD: 27 % (+2 Punkte)
- Union (CDU/CSU): 24 % (−2 Punkte)
- Grüne: 15 % (+1 Punkt)
- SPD: 12 % (stabil)
- Linke: 10 % (stabil)
- FDP: 4 % (+1 Punkt)
- BSW: 3 % (stabil)
Es ist das erste Mal in der Geschichte des ARD-DeutschlandTrends, dass die AfD in der Sonntagsfrage die stärkste Kraft ist. Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme, spiegelt jedoch eine anhaltende Entwicklung wider.
Warum wächst der Zuspruch für die AfD?
Der Hallenser Politikwissenschaftler Marcel Lewandowski sieht mehrere Ursachen für den Zuwachs. Zunächst schwäche die schlechte Performanz der Bundesregierung das Vertrauen in die etablierten Parteien. Der Kanzler hatte das erklärte Ziel ausgegeben, die Umfragewerte der AfD zu halbieren – das Gegenteil ist eingetreten.
Lewandowski betont, dass AfD-Wählerinnen und -Wähler ihre Entscheidung nicht aus kurzfristigem Protest träfen, sondern aus tief verwurzelten Einstellungen: eine tiefe Enttäuschung mit der Demokratie und eine besonders restriktive Haltung zur Migration. Viele dieser Menschen glaubten nicht mehr, in einer echten Demokratie zu leben – ein Befund, der in der AfD-Wählerschaft weit verbreitet sei.
Entgegen einem verbreiteten Missverständnis nütze es wenig, die Migrationspolitik zu verschärfen, um AfD-Wähler zurückzugewinnen. Im Gegenteil: Wenn andere Parteien die Sprache und die Positionen der Rechtspopulisten übernähmen, legitimierten sie deren Positionen und trieben Wähler zum „Original“.
Sachsen-Anhalt: 41 Prozent für die AfD
Besonders drastisch sind die Werte in Sachsen-Anhalt: Vier Monate vor der Landtagswahl käme die AfD laut einer Erhebung von Infratest dimap auf 41 Prozent – obwohl der dortige Verfassungsschutz sie als gesichert rechtsextremistisch einstuft. Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD, agiert nach Einschätzung von Experten besonders geschickt in den sozialen Medien und verfügt über eine hohe Reichweite.
Gleichzeitig geben laut derselben Umfrage 82 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt an, dass der Staat seinen Aufgaben nicht angemessen nachkomme. In Gesprächen vor Ort wird deutlich, was viele umtreibt: steigende Spritpreise, hohe Steuern und das Gefühl, dass Versprechen der Politik nicht eingelöst werden.
Lewandowski stellt klar, dass es sich bei den AfD-Wählerinnen und -Wählern nicht zwingend um wirtschaftlich Abgehängte handle. Oft seien es Menschen, die Abstiegsängste hätten und der Politik generell keine Kompetenz zur Problemlösung mehr zutrauten.
Ausblick auf die Landtagswahlen
Trotz der bemerkenswerten Umfragewerte mahnt Lewandowski zur Vorsicht bei der Interpretation: Umfragen seien Momentaufnahmen, keine Wahlergebnisse. Für die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erwartet er noch erhebliche Dynamik – etwa durch TV-Duelle und den Wahlkampf des amtierenden Ministerpräsidenten und CDU-Spitzenkandidaten.
Die aktuellen Werte beschreiben in erster Linie den Sound, vor dessen Hintergrund die Wahlkämpfe geführt werden. Für die demokratischen Parteien bleibt die zentrale Herausforderung, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen – ohne dabei das Themenspektrum der AfD weiter zu bedienen.
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