AfD in Sachsen-Anhalt: Rechtsruck im Wahljahr

Dieses Video wurde am 22.08.2026 von DW News auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September steht mehr auf dem Spiel als ein Regierungswechsel im Osten Deutschlands. Noch nie lag die AfD in Umfragen vor einer Regionalwahl so weit vorn. Gleichzeitig kämpft CDU-Ministerpräsidentin Reiner Haseloff – nach 24 Jahren konservativer Regierungsführung – gegen einen massiven Stimmungsverlust. Drei Themen dominieren den Wahlkampf: Migration, der Krieg in der Ukraine und das tiefe Gefühl des Abgehängtseins in den ostdeutschen Bundesländern.

Migration als zentrales Wahlkampfthema

Der Ruf „Take your country back“ – auf Deutsch: „Holt euch euer Land zurück“ – hallt auch durch Sachsen-Anhalt. Viele Bürgerinnen und Bürger äußern das Gefühl, die eigene Heimat nicht mehr wiederzuerkennen. Die AfD kanalisiert diese Stimmung gezielt: Ihr Programm lehnt die Zuwanderung von Fachkräften ab, die sie als „kulturfremd“ bezeichnet.

Dabei ist der Fachkräftemangel im Bundesland bereits akut: Mehr als ein Drittel aller offenen Stellen kann laut aktuellen Zahlen nicht besetzt werden. Ministerpräsidentin Zieschang warnt deshalb, die AfD verschärfe das Problem eher, als es zu lösen. Ihre Kritik: Die Partei schaffe ein Klima, in dem Menschen ohne deutschen Geburtsort sich unwillkommen fühlen – und dem Arbeitsmarkt fernbleiben.

Ukraine-Krieg und die Frage nach Waffenlieferungen

Auch die Haltung zur russischen Invasion in der Ukraine spaltet die Wählerschaft in Sachsen-Anhalt. Die AfD sowie kleinere linke Parteien lehnen weitere Waffenlieferungen an die Ukraine klar ab.

Unter der Bevölkerung ist die Meinung gespalten: Manche sehen den Westen in der Mitverantwortung für den Konflikt, verurteilen aber gleichzeitig das russische Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung. Diese ambivalente Haltung spiegelt sich in den Umfragewerten wider und macht den Wahlausgang zusätzlich unberechenbar.

Abgehängt im Osten: Das Gefühl der Ungleichheit

Vielleicht noch tiefer als die Debatten über Migration oder Außenpolitik sitzt das Gefühl der Benachteiligung im Osten Deutschlands. Während bundesweit die meisten Menschen ihre persönliche Lage als „in Ordnung“ beschreiben, ist die allgemeine Stimmung im Osten deutlich schlechter.

Besonders das Thema Rente treibt die Menschen um. Ministerpräsidentin Schulze stellte sich öffentlich gegen die Rentenreformpläne von Bundeskanzler Merz und betonte, das Rentensystem in den neuen Bundesländern sei mit dem westdeutschen noch immer nicht vergleichbar. Auf den Straßen Magdeburgs ist der Wunsch nach Veränderung spürbar – auch nach über zwei Jahrzehnten CDU-Führung.

  • Mehr als ein Drittel der Stellen in Sachsen-Anhalt bleibt unbesetzt
  • Die AfD führt in Umfragen mit deutlichem Abstand vor der CDU
  • Rente, Migration und Ukraine gehören zu den meistgenannten Wahlkampfthemen
  • Das Rentensystem Ost gilt vielen als strukturell benachteiligt gegenüber dem Westen
  • 24 Jahre CDU-Regierung sorgen für einen wachsenden Veränderungswunsch

Sachsen-Anhalt als politisches Laboratorium

Der AfD-Spitzenkandidat gibt sich siegessicher: Ganz gleich, wie die Wahl ausgeht, werde man Geschichte schreiben. Sollte die Partei knapp an einer absoluten Mehrheit scheitern, sieht er CDU und Linke vor einer kaum lösbaren Koalitionsfrage – und erwartet, dass eine solche Zusammenarbeit die CDU zerreißen würde.

Beobachter sehen die Wahl in Sachsen-Anhalt als Stimmungstest für ganz Deutschland. Gelingt es der AfD, hier erstmals zur stärksten Kraft zu werden oder gar eine Regierung anzuführen, könnte das den Weg für ähnliche Entwicklungen in anderen ostdeutschen Bundesländern ebnen – und letztlich auch die nächste Bundestagswahl beeinflussen. Am 6. September entscheidet sich, wie weit der Rechtsruck in Deutschland tatsächlich reicht.

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