Dieses Video wurde am 07.05.2026 von WELT Nachrichtensender auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.
Die AfD in Sachsen-Anhalt steht laut einer aktuellen MDR-Umfrage bei 41 Prozent – der höchste jemals für eine Rechtsaußenpartei in einem deutschen Bundesland gemessene Wert. Damit rückt die absolute Mehrheit für AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund vier Monate vor der Landtagswahl am 6. September in greifbare Nähe. Die CDU liegt mit 26 Prozent weit abgeschlagen auf Platz zwei. Amtierender Ministerpräsident Sven Schulze kämpft darum, eine historische Niederlage abzuwenden.
Warum ist die AfD in Sachsen-Anhalt so stark?
Politikbeobachter nennen mehrere Faktoren für den Höhenflug der Partei. Das Land ist ländlich geprägt, die Unzufriedenheit mit der Berliner Bundespolitik enorm. Viele Bürger wenden sich von den etablierten Parteien ab – nicht wegen des AfD-Programms, sondern aus Protest gegen die große Koalition in Berlin.
Reporter vor Ort aus dem Landtag in Magdeburg berichten: AfD-Spitzenkandidat Siegmund füllt jeden Abend Säle, gestern Abend waren es über 800 Besucher. Keine andere Partei bringt ähnliche Mobilisierung zustande. Schulze hingegen ist als Ministerpräsident gefordert, muss gleichzeitig Wahlkampf machen – ein strukturelles Problem.
- AfD: 41 % (höchster je gemessener Wert für eine Rechtsaußenpartei in einem Bundesland)
- CDU: 26 %
- SPD: rund 7 %
- Grüne, FDP und BSW: Einzug in den Landtag ungewiss
Siegmund und die CDU-Brandmauer
Ulrich Siegmund gibt sich selbstbewusst: „Es fehlt nur noch ein, zwei Prozent zur absoluten Mehrheit.“ Die Brandmauer der CDU gegenüber der AfD steht unter Druck. Politikwissenschaftler Professor Christian Stecker von der TU Darmstadt warnt: Die Union hätte früher aus einer Position der Stärke heraus das Verhältnis zur AfD überdenken müssen. Statt inhaltlicher Auseinandersetzung dominierten Versuche, die AfD zu diskreditieren.
Ministerpräsident Schulze lehnt eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei weiterhin offiziell ab, räumt aber ein: Sollten die aktuellen Umfragewerte zum Wahlergebnis werden, wäre das Land kaum regierbar. Bundeskanzler Friedrich Merz stellte sich demonstrativ hinter Schulze: „Wir kämpfen als CDU gemeinsam, wir gewinnen gemeinsam.“
Werbeboykott statt Inhalt: Die Hilflosigkeit der etablierten Parteien
Die Debatte um den Umgang mit der AfD erhitzte sich zuletzt durch einen Podcast-Auftritt von Björn Höcke beim YouTuber „Ben Unscripted“. Rund fünf Millionen Aufrufe erzielte das vierstündige Gespräch. SPD-Politikerin Saskia Esken reagierte mit einem Aufruf zum Werbeboykott gegen den Kanal – und löste damit parteiübergreifende Kritik aus.
Aus der FDP kam umgehend Widerspruch: In einer liberalen Demokratie entschieden nicht Politiker, was Presse und Medien sendeten. Journalistin Julia Reuss, die selbst Cancel-Culture erlebt hat, nannte den Boykottaufruf „Quatsch“. Sie betonte, klassische Medien hätten ihre Gatekeeping-Funktion verloren. Wer Höcke die Plattform verweigere, sorge nur dafür, dass er unkritisiert anderswo auftrete.
Politikwissenschaftler Stecker bringt es auf den Punkt: Die anderen Parteien scheuten inhaltliche Debatten mit der AfD, weil sie damit eigene Politikfehler eingestehen müssten. Die Größe der AfD sei deren Folge.
Ausblick: Entscheidung fällt im September
Noch vier Monate bleiben bis zur Landtagswahl am 6. September 2026. Ob die AfD die absolute Mehrheit erreicht, hängt auch davon ab, ob Grüne, BSW oder andere Kleinparteien den Einzug in den Landtag schaffen. Gelingt das nicht, könnten 44 bis 45 Prozent reichen, um allein zu regieren. Eine AfD-Landesregierung wäre ein historisches Novum in der Bundesrepublik. Für CDU und SPD läuft die Zeit ab – und nach Einschätzung der Experten wird dieser Wahlkampf nicht in Sachsen-Anhalt, sondern in Berlin entschieden.
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