100 Jahre Fidel Castro: Kuba ohne Feierlaune

Dieses Video wurde am 13.08.2026 von tagesschau auf YouTube veröffentlicht. Zum Original-Video auf YouTube.

Zum 100. Geburtstag von Fidel Castro herrscht auf Kuba keine Feierlaune. Die Symbolfigur des kubanischen Widerstands gegen die USA prägt noch immer das Straßenbild der Hauptstadt Havanna – doch im Alltag der Kubanerinnen und Kubaner dominieren Stromausfälle, wirtschaftliche Not und eine schwindende Hoffnung auf Besserung. Die Lage auf der Insel ist so ernst wie seit Jahren nicht mehr.

Alltag im Ausnahmezustand: Strom als knappes Gut

Anfang August erlebte Kuba erneut einen landesweiten Stromausfall. Keine funktionierenden Ampeln, kein Ventilator bei tropischer Hitze, und dort, wo Pumpen stillstehen, ist auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser unsicher. Für viele Betriebe bedeutet das den Überlebenskampf.

Fanett betreibt ein Café in Havanna. Wenn der Strom da ist, arbeitet sie auf Hochtouren – doch seit Donald Trumps Energieblockade bleiben die Touristen weitgehend aus. „Die Gehälter meiner Mitarbeiter muss ich trotzdem zahlen, ob es Strom gibt oder nicht“, sagt sie. Die Ungewissheit ist ihr ständiger Begleiter.

Die häufigen Ausfälle sind kein Zufall, sondern Folge eines maroden Energiesystems, dem es an Treibstoff, Ersatzteilen und Investitionen mangelt – allesamt Güter, deren Import durch internationale Sanktionen massiv erschwert wird.

US-Sanktionen treffen die Schwächsten

In einem Kinderheim in Havanna kommen regelmäßig Spenden aus dem Ausland an: Seife, Zahnpasta, Süßigkeiten. Grundlegende Dinge, die in Kuba oft nicht verfügbar oder schlicht nicht erschwinglich sind. Die Mitarbeiterinnen dort machen deutlich, wen die Konsequenzen der Politik am härtesten treffen.

„Sie müssen die Blockade aufheben, damit Treibstoff ins Land kommt, damit wir Strom haben und ein würdiges Leben führen können, wie es jedem Menschen zusteht“, heißt es aus dem Heim. Die US-Sanktionen, die seit Jahrzehnten in Kraft sind und zuletzt verschärft wurden, belasten vor allem jene, die ohnehin wenig haben.

  • Kuba ist seit Jahren auf der US-Terrorstaatenliste geführt – was Investoren abschreckt
  • Treibstoffmangel lähmt Energieversorgung und öffentlichen Nahverkehr
  • Importe lebenswichtiger Güter sind durch Sanktionen stark eingeschränkt
  • Auslandsspenden und Überweisungen von Exilkubanern gehören zum Überlebensalltag vieler Familien

Kubanische Regierung sucht nach Auswegen

Die sozialistische Regierung unter dem aktuellen Regierungschef hat angekündigt, die Wirtschaft vorsichtig zu öffnen. Mehr private Initiative soll erlaubt, ausländische Investitionen sollen erleichtert werden. Doch solange die USA Kuba als Terrorstaat einstufen, schreckt das potenzielle Geldgeber ab. Strukturelle Reformen stoßen schnell an politische Grenzen.

Bei offiziellen Feierlichkeiten zum Geburtstag von Fidel Castro, der das Land fast fünf Jahrzehnte lang diktatorisch regierte, würdigte die Führung sein Lebenswerk als Widerstandssymbol. Im Straßenbild ist der Revolutionär omnipräsent – auf Wandgemälden, Plakaten und Denkmälern. Doch viele Kubanerinnen und Kubaner fragen sich, was von seinem Erbe im Alltag noch übrig geblieben ist.

Abwanderung und trotziger Glaube ans Land

Viele Menschen verlassen Kuba. Die Auswanderungswelle der vergangenen Jahre ist eine der größten in der Geschichte des Landes. Allein zwischen 2022 und 2024 verließen Hunderttausende die Insel – in Richtung USA, Mexiko oder Europa.

Fanett gehört nicht dazu. „Ich habe immer an mein Land geglaubt“, sagt sie. An dem Tag, an dem Kuba den 100. Geburtstag seines bekanntesten Sohnes begeht, kommt in ihrem Café der Strom schließlich wieder. Schließen muss sie nicht. Es ist ein kleiner Sieg in einem langen Kampf – und für viele Kubanerinnen und Kubaner inzwischen das Größte, worauf man noch hoffen kann.

Wie es mit Kuba weitergeht, hängt nicht zuletzt von der Außenpolitik Washingtons ab. Solange sich an der Einstufung als Terrorstaat und den damit verbundenen Sanktionen nichts ändert, bleibt der Spielraum für wirtschaftliche Erholung eng – unabhängig davon, wie viele Revolutionäre die Regierung feiert.

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